Zeugin des Holocaust an tschechischen Roma gestorben

Emilie Machalkova war der Deportation ins NS-Konzentrationslager entgangen, weil der Bürgermeister ihrer Gemeinde bei der deutschen Gestapo eine Ausnahme erwirkt hatte.

Mit 90 Jahren ist eine der letzten Überlebenden des Holocaust an tschechischen Roma gestorben. Emilie Machalkova war der Deportation ins NS-Konzentrationslager nur entgangen, weil der Bürgermeister der Gemeinde Nesovice, für den sie arbeitete, bei der deutschen Gestapo eine Ausnahme erwirkt hatte. Über ihren Tod berichtete am Montag der tschechische Rundfunk CRo.

"Jeden Tag, an dem ich mit dem Zug zur Arbeit gefahren bin, waren da deutsche Polizisten", sagte sie einmal dem Projekt "Gedächtnis der Nation". "Und jedes Mal haben sie mich gefragt, warum ich unter Leuten bin, wie es kommt, dass ich nicht im Konzentrationslager bin." Mehr als 30 ihrer Verwandten wurden in der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung ermordet.

Nach dem Krieg machte sich Machalkova als Sängerin traditioneller Roma-Lieder einen Namen. Später hielt sie Vorträge vor jungen Leuten über das Schicksal ihrer Verwandten. Sie entstammte einer bedeutenden Familie: Ihr Onkel Tomas war in der Zwischenkriegs-Tschechoslowakei der erste Anwalt aus den Reihen der Minderheit.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mehrzahl der tschechischen Roma in Arbeitslager und NS-Konzentrationslager verschleppt. Nur knapp 600 der mindestens 6500 Angehörigen der Minderheit überlebten den Porajmos, den Völkermord an den europäischen Roma.

(APA/dpa)

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