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12 Land am Strom

Die Strommacher

J

ohannes Holzmayer ist mit seinen 56 Jahren

noch ausgesprochen fit. Das verdankt er seiner

Arbeit bei der Netz Niederösterreich GmbH, bei der

er mit weiteren Kollegen für die Instandhaltung

und Störungsbehebung der 110/380-Kilovolt-Lei-

tungen zuständig ist. „Bei den jährlichen Bege-

hungen der Hochspannungsleitungen marschiert

man viele Kilometer und kontrolliert die Leitungen

mit dem Fernglas. Das ist ein ganz gutes Training“,

meint er schmunzelnd. Alle vier Jahre begibt er

sich via Hubschrauber auch in die Lüfte. „Dann

messen wir die schädlichen elektrischen Entla-

dungen an den Hochspannungsanlagen mit einer

speziellen Kamera. So können wir mögliche

Schadstellen frühzeitig aufspüren und Unterbre-

chungen vermeiden.“ Fast 1500 Kilometer umfasst

das Hochspannungsnetz der Netz NÖ, entspre-

chend breit ist Holzmayers Aktionsradius, wobei er

hauptsächlich im nördlichen Niederösterreich zum

Einsatz kommt. Sein Aufgabengebiet ist vielfältig:

Routineinspektionen von Steuerungen, Neu- und

Umbauten in Umspannwerken gehören ebenso

dazu wie geplante oder ungeplante Störungsbehe-

bungen an den Leitungen. Seit 41 Jahren macht er

diesen Job nun und ist von ihm nach wie vor

begeistert: „Zum einen ermöglicht er mir, viel in der

Natur zu sein, zum anderen gestaltet sich jeder Tag

anders und mit vielen neuen Herausforderungen.“

KeinWunder – schließlich war ihm das Interesse

für Elektrizität und Elektronik sprichwörtlich in die

Wiege gelegt: „Schon als Schüler habe ich mit

Batterien und Lichtmaschinen experimentiert.

Später in der Lehrzeit habe ich elektronische

Schaltungen wie Minispione, Radios und vieles

mehr gebaut.“ Dieses Interesse ist bis heute

geblieben: „Man muss sich in dieser Sparte immer

weiterbilden und amBall bleiben, um dabei

bleiben zu können“, betont der Elektrotechniker.

E

lektrikerin war zwar Brigitte

Mayrhofers Wunschberuf, doch

die gebürtige Ybbserin entschied

sich schnell für den Doppelberuf

Maschinenbau/Metalltechnik und

Elektrotechnik, den Verbund in der

hauseigenen Lehrwerkstätte in Ybbs

anbietet. „Eigentlich wollte ich nach

der Schule so schnell wie möglich

etwas Praktisches machen.“ Daraus

wurden neben den beiden Lehrbe-

rufen auch die Abendmatura und die

Meisterausbildung. Nach einigen

Jahren Berufserfahrung in den

DonaukraftwerkenWallsee und

Abwinden-Asten in Oberösterreich

kehrt sie nun nach Ybbs zurück – als

erste Lehrlingsausbildnerin bei

Verbund. „Wasserkraft ist für uns in

Ybbs so selbstverständlich, wie die

Donau. Seit ich mich erinnern kann,

war das Kraftwerk immer da und alle

in Ybbs sind stolz darauf“, erzählt sie.

Damit es so bleibt, bildet Brigitte

Mayrhofer ab Herbst selbst Lehrlinge

aus. Schon ab dem zweiten Lehrjahr

gehen die neuen Kraftwerkerinnen

und Kraftwerker zur Praxis in die

Kraftwerke. Weibliche Interessenten

sind besonders begehrt. „Die

Aufstiegsmöglichkeiten und die

spannende Tätigkeit sind noch viel zu

wenig bekannt. Gerade für Frauen

bieten sich bei Wasserkraftwerken

Chancen, von denen andere Berufs-

gruppen nur träumen können“, ist

Mayrhofer überzeugt.

E

s kommt nicht oft vor, dass jemand sein Hobby zumBeruf machen

kann. Rainer Sengseis ist das gelungen. Der passionierte Kletterer hat

1992 nach einer Lehre zumStarkstrommonteur bei Wiener Netze GmbH

als Freileitungsmonteur angefangen und ist damit seit 25 Jahren ganz in

seinem Element: „Die Höhe und das Bewusstsein, eine Arbeit verrichten

zu dürfen, die nicht alltäglich ist, und bei der ich dazu beitragen darf, die

Stromversorgung einer Großstadt sicherzustellen, befriedigen mich sehr“,

berichtet er. So spielerisch wie das Klettern imGebirge gestaltet sich der

Arbeitsablauf auf den Hochspannungsmasten jedoch nicht. Schweres

Material muss verladen und transportiert, die Ausrüstung genau kontrol-

liert und Arbeitsabläufe präzise dokumentiert werden. Das hindert ihn aber

nicht, in seiner Freizeit neben demKlettern weitere sportliche Aktivitäten

wie Jiu-Jitsu, Eishockey oder Beachvolleyball zu verfolgen. An den

Wochenenden pendelt er nach Graz: Dort leben seine Freundin und sein

kleiner Sohn Moritz, eine Situation, die der 40-Jährige nicht ganz ideal

findet, mit der er aber leben kann. „Ich würde zwar gerne öfter bei meiner

kleinen Familie sein, das wird sich aber leider nicht so schnell ändern

lassen“, meint er. Dennoch bleibt ihm immer noch Zeit, sich weiterzu-

bilden: Die Berufsreifeprüfung gehört dazu, eine Ausbildung zum Jiu-Jitsu-

Instructor und zum Tauchlehrer. Wenn dann immer noch Zeit bleibt, dann

vertieft er sich in einen historischen Roman auf seinem E-Book. „Ich weiß

selber nicht, wie ich die ganzen Aktivitäten unterbringe“, meint er lachend.

DER NETZEXPERTE

JOHANNES HOLZMAYER

ENERGIEZUKUNFT

IST WEIBLICH

BRIGITTEMAYRHOFER

DER BERUFSKLETTERER

RAINER SENGSEIS

Sie turnen auf Windrädern oder

Hochspannungsmasten herum, entwerfen neue

Kraftwerke oder bringen Kunden die Zukunft in Form

von intelligenten Zählern ins Haus. Gemeinsam ist

allen ihre Begeisterung für elektrische Energie.

D

ie Energie Steiermark hat vor wenigenWochen mit einem ihrer

größten Projekte der vergangenen Jahre begonnen: DemBau des

neuen Murkraftwerks Graz. Eine große Herausforderung, die umfangreiche

Expertise und großes Kommunikationsgeschick erfordert. Genau das

Richtige für Markus Rath: Ihmwurde von seinemUnternehmen die

örtliche Bauaufsicht übertragen. „Zu meinen Aufgaben zählen etwa die

Dokumentation des Baufortschritts, die Überprüfung der planmäßigen

Ausführung der geleisteten Arbeiten, die Überwachung der Einhaltung

behördlicher Auflagen, des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes, die

Feststellung von Mängeln und Veranlassung von deren Behebung sowie

eine unterstützende Tätigkeit bei der Rechnungsprüfung“, berichtet er.

Dabei kann er auf seine Erfahrungen, die er imRahmen des Baus der

Wasserkraftwerke Gössendorf und Karlsdorf oder des Stadtkraftwerks

Leoben gesammelt hat, ebenso zurückgreifen wie auf diverse Projekte von

Kleinwasserkraftwerken. Auch beimHochwasserschutzprojekt Machland

war er an den Planungen beteiligt. Dass es gerade dieser Aufgabenbereich

wurde, verdanke er eher einemZufall, erzählt er: „Während meiner Lehrzeit

imUnternehmen als technischer Zeichner wurde in der damaligen Bauab-

teilung ein Zeichner gesucht, und ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte,

in diese Abteilung zu wechseln. Das tat ich auch und war sofort von den –

für die Steiermark – großenWasserkraftwerksanlagen begeistert.“

Seitdem ist der 33-jährige Steirer dabeigeblieben und freut sich jetzt über

seine bisher größte Herausforderung.

DAS KOMMUNIKATIONSTALENT

MARKUS RATH

Fotos: Dimo Dimov (2), Helmut Lunghammer,Netz Niederösterreich GmbH, Salzburg AG, KNG Kärnten Netz, Verbund, vkw illwerke, Energie Burgenland