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Land am Strom 7

WUSSTEN

SIE,

DASS

die menschliche „Dauerleistung“

etwa 80–100 Watt entspricht? Das

entspricht dem Energiebedarf einer

starken Glühlampe. Bei Verwendung

von LEDs könnten Sie mit Ihrer

persönlichen Energieleistung

mehrere Räume ausleuchten.

Die Ziele

Sicherheit

Heimische und erneuerbare Energiequellen wie

Wasserkraft, Wind, PV und Biomasse, tragen zur

Verringerung der Importabhängigkeit der EU bei. Über-

dies verfügen diese Quellen über erhebliche zusätzliche

Ausbaupotenziale (z. B. Wasserkraft in Europa alleine

von 600 TWh 2013 auf 700 TWh bis 2030). Ein Abbau

der Importabhängigkeit der EU bei Energie muss im

Einklang mit einem liberalisierten Markt stehen. Im

Strombereich wurde bereits in den letzten Jahren durch

den Ausbau erneuerbarer Energien eine Verringerung

der Abhängigkeit von importierten fossilen Brenn-

stoffen angestrebt. Dies wurde mit massiven Förde-

rungen umgesetzt, die zu großen Verzerrungen am

Markt geführt haben. Dadurch sind auch konventionelle

Technologien unwirtschaftlich geworden, obwohl diese

gerade in einem stark zunehmenden volatilen Erzeuger-

markt benötigte Flexibilität liefern können und einen

wesentlichen Teil zur Versorgungssicherheit liefern.

Kooperation

Oesterreichs Energie spricht sich für einen ungehin-

derten Stromaustausch und die Aufrechterhaltung der

derzeitigen Preiszonen aus. Preiszonen müssen und

sollen nicht identisch mit den Landesgrenzen sein. Im

Gegenteil: Gerade vor demHintergrund des zwischen-

zeitlich sehr signifikanten Anteils erneuerbarer Energien

sind möglichst große Preiszonen und damit eine große

Liquidität – vor allem auch für die Bereitstellung von

benötigter Flexibilität – wichtig.

Wettbewerb

Oesterreichs Energie begrüßt das Bestreben der

EU-Kommission, die unterschiedlichen nationalen

Fördersysteme für erneuerbare Energien rationeller,

kosteneffizienter und mit dem europäischen Binnen-

markt besser vereinbar zu gestalten. Eine für die

Realisierung des Energiebinnenmarktes notwendige

stärkere Marktorientierung der nationalen Förder-

systeme ist notwendig, um langfristig die Effizienz, die

Effektivität und letztlich die Leistbarkeit des Elektrizi-

tätssystems sicherzustellen.

Klimaschutz

Österreichs E-Wirtschaft bekennt sich zu einer

Senkung der CO2-Emissionen um 40 Prozent (Basis

1990) bis 2030 sowie zu den damit verbundenen

Zielen bezüglich des Ausbaus erneuerbarer Energien

und der Steigerung der Energieeffizienz. Dafür sind

große Investitionen erforderlich, die Unterstützung

durch langfristig stabile regulative und rechtliche

Rahmenbedingungen benötigen. Ziel ist ein Programm,

das wirtschaftlich und ökologisch tragfähig ist, von

der Gesellschaft breit akzeptiert wird und technisch

machbar ist.

Verbraucherschutz

Ein wesentliches Ziel des EU-Energiebinnenmarkts

sind eine Stärkung des Verbraucherschutzes und die

Sicherstellung der Unterstützung schutzbedürftiger

Verbraucher. Die Energiearmut hingegen ist Aufgabe

der Sozialpolitik. Der Energiebinnenmarkt soll für

sichere, gerecht verteilte, sozial- und umweltverträg-

liche, effiziente, wettbewerbsfähige, erschwingliche

und nachhaltige Energie sorgen. Marktgestützte

Mechanismen müssen durch konkrete und ambitio­

nierte Versorgungssicherheits- und Solidaritäts-

mechanismen ergänzt werden. Die EU-Kommission

untersucht regelmäßig die Zusammensetzung der

Energiepreise und -kosten in den Mitgliedstaaten sowie

der diese Preise und Kosten bestimmenden Faktoren.

Forschung

Die Energieversorgung ist ein zentrales Zukunftsthema,

das den strategischen Aufbau und Einsatz innovativer

und marktfähiger Technologien und Services erfordert.

Europas Energielandschaft benötigt neue Lösungen

für alle Bereiche der Energieversorgung und der

Energieanwendung. Smart Grids, Smart Services oder

die Brennstoffzellentechnologie, dezentrale Energie-

speicher oder auch Power-to-Gas sind exemplarische

Beispiele, die enorme Chancen für den Energie-,

Technologie- und Industriestandort Europa eröffnen.

Die Entwicklung

Liberalisierung

ImOktober 2001 gab Österreich als fünftes EU-Land seinen

Strommarkt völlig frei. Seither können alle Stromkunden ihren

Stromlieferanten frei wählen. Die Liberalisierung des Strom-

marktes hat zu erheblichen Preissenkungen und mehr Wett-

bewerb geführt. Heute sind rund 150 verschiedene Stromanbieter

am heimischen Markt tätig. Noch 2006 standen den Kunden

lediglich sechs verschiedene Angebote zur Verfügung.

Strompreis

ImZug der Liberalisierung sanken die Strompreise für Haushalte

um 60 Prozent, jene für die Industrie um 70 Prozent. Allerdings

macht der auf dem freien Markt gebildete reine Strompreis ledig-

lich einen Anteil von etwa 31,5 Prozent des Gesamtpreises für

Haushaltskunden aus (Stand 1.1.2016). Die größte Komponente

des Strompreises sind Steuern und Abgaben mit 41,2 Prozent, die

übrigen 27,3 Prozent entfallen auf die Kosten für die Netzbereit-

stellung.

Energieeffizienz

Die Europäische Kommission sieht in der Steigerung der

Energieeffizienz eine zentrale Herausforderung für die Erreichung

jedweder energie- und klimapolitischen Ziele bis 2030. Geplant

ist daher die Einführung eines verbindlichen 30-Prozent-Ziels im

Bereich der Energieeffizienz. Zudem soll die jährliche Einsparung

in Höhe von 1,5 Prozent des jährlichen Energieabsatzes an

Endkunden über 2021 hinaus beibehalten werden.

Konsumentenrechte

Eine Reihe neuer Bestimmungen soll in Zukunft konkrete

Verbesserungen für Europas Stromkunden bringen. Dazu gehören

die Verbesserung der Möglichkeit zur Marktteilnahme für Konsu-

menten, dynamische Preise, weniger Barrieren für Eigenerzeuger/

Prosumer und der Abbau von Hürden für sogenannte Local Energy

Communities. Bei diesem neuen Zusammenspiel müssen die

Akteure gleiche Bedingungen vorfinden. Neue Produkte und

innovative Preisgestaltung werden unterstützt.

Kontrolle

Mit einer „Governance-Verordnung“ ist die Bündelung der umfang-

reichen und vielfältigen Berichtspflichten der Mitgliedstaaten an

die EU-Kommission imZusammenhang mit den EU-Klima- und

Energiezielen sowie die Koordinierung der einzelnen mitgliedstaat-

lichen Ziele imHinblick auf die gesetzten EU-Ziele geplant. Geht

es nach der Europäischen Kommission, müssen die Mitglied-

staaten integrierte nationale Energie- und Klimapläne erstellen

und diese alle zwei Jahre auf den neuesten Stand bringen. Im

Hinblick auf das EU-weite Erneuerbaren-Ziel will die Europäische

Kommission bei Verfehlung eines adäquaten Zielerreichungsbei-

trags einen Finanzierungsbeitrag zu einem EU-Fonds fordern, aus

demwiederumProjekte aus demBereich erneuerbare Energien

finanziert werden. Die Mitgliedstaaten werden zudem verpflichtet,

beginnend mit dem Jahr 2020, Langzeitstrategien (50 Jahre)

vorzubereiten und der Kommission vorzulegen.

Die Zukunft

im Strommarkt

Investitionen

Die Energiezukunft in Europa benötigt viel Geld.

Laut einemBericht des European Parliament‘s

Committee on Industry, Research and Energy

(ITRE) müssen bis 2050 zwischen 95 und

145 Milliarden Euro investiert werden, um die

Energiewende in Richtung einer kostengünstigen

und klimaschonenden Energieversorgung zu

ermöglichen. Davon entfallen auf die Strom-

produktion 54 bis 80 Milliarden, auf die Netze 40

bis 62 Milliarden. Über die Kosten der künftigen

Energiespeicherung enthält der Bericht noch

keine Zahlen. Die Studie enthält auch politische

Empfehlungen für die notwendigen Investitionen.

Erzeugung

Die Nettostromerzeugung in der EU-28 belief sich

2014 auf insgesamt etwa 3000 Mrd. Kilowatt-

stunden und war damit um 5,7 Prozent unter dem

Höchstwert von 2008. Der Anteil erneuerbarer

Energiequellen an der Nettostromerzeugung in

der EU-28 stieg imZeitraum 2004–2014 von

13,5 Prozent auf 24,9 Prozent, während bei

den Brennstoffen ein verhältnismäßig starker

Rückgang von 55,9 Prozent auf 47,6 Prozent

und bei der Kernenergie ein Rückgang von 30,6

Prozent auf 27,4 Prozent zu verzeichnen war.

Bis 2040 dürfte der Stromverbrauch um rund

20 Prozent steigen, erwartet die internationale

Energieagentur.

Strombedarf

Oesterreichs Energie hat auf Basis gut

abgesicherter Prognosen und Szenarien für die

Entwicklung des Energie- und Stromverbrauchs

sowie mit Blick auf die Beschlüsse des Klima-

gipfels von Paris für den Bereich der E-Wirtschaft

eine Energiewende-Strategie imStrombereich

erarbeitet, die den Zeitraum bis 2030 abdeckt, die

Stromstrategie „Empowering Austria“. Demnach

wird sich der Stromverbrauch im Inland bis

2030 selbst bei einemmoderatenWirtschafts-

wachstum um bis zu 14 TWh erhöhen. Wenn in

Österreich aus Gründen der Unabhängigkeit und

Versorgungssicherheit die Möglichkeit geschaffen

werden soll, wieder unabhängiger von Strom-

importen zu werden, ergibt sich daraus, je nach

Szenario, die Notwendigkeit, die Stromerzeugung

im Inland bis 2030 um rund 20 TWh zu steigern.

Österreich-Anteil

Die Stromstrategie „Empowering Austria“ schlägt

für die E-Wirtschaft in Österreich Investitionen von

50 Mrd. Euro bis 2030 vor. Davon entfallen 35 Mrd.

auf Netzinvestitionen (inkl. smarter Systeme und

15 Mrd. Erzeugungsinvestitionen). Investitionen

von einer Milliarde Euro in der E-Wirtschaft

sichern oder schaffen rund 8000 Jahresarbeits-

äquivalente. 50 Mrd. Euro bedeuten daher über

zehn Jahre Beschäftigung für zusätzlich 30.000

Personen.

Ökostrom

Für Oesterreichs Energie ist die Funktionsfähigkeit

des Strommarkts entscheidend, daher müssen

die zusätzlich erzeugten Strommengen aus

erneuerbaren Energien verantwortungsvoll in den

Strommarkt integriert werden. Das bedeutet einen

bedarfsgerechten Ausbau mit einer Heranführung

der Technologien an denWettbewerbsmarkt und

der Übernahme von Systemmitverantwortung.

Oesterreichs Energie schlägt für erneuerbare

Erzeugungsanlagen, die bis 2030 zusätzliche

erneuerbare Kilowattstunden in das Stromsystem

einspeisen, ein Incentivierungssystem vor, das

den Schwerpunkt auf die wettbewerbsorientierte

Unterstützung durch variable Marktprämien legt.

Das entspricht auch den Vorgaben der neuen

EU-Richtlinie für staatliche Förderungen und

Beihilfen, an die sich ein neues Ökostromgesetz in

Zukunft halten muss.