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8 Land am Strom

WUSSTEN

SIE,

DASS

im Akku von Mobiltelefonen

zirka

zehn Wattstunden Energie gespei­

chert sind? Mit dieser Energie

könnte man einen kräftig gebauten

Menschen auf ein zehnstöckiges

Haus heben.

Meine smarte

Energiezukunft

Der Traum vom voll vernetzten, sich

selbst mit Energie versorgenden Heim

könnte in nicht allzu ferner Zukunft in

Erfüllung gehen.

V

iele Technologien, die wir in naher

Zukunft im Alltag nutzen werden,

sind heute schon auf demMarkt. Wir

können uns darauf einstellen, dass

Produkte wie die Sprachassistentin Alexa von

Amazon oder der humanoide Roboter Pepper

in die Haushalte einziehen und dort die ver-

schiedensten Aufgaben übernehmen werden.

Heute schon gibt es Lichtschalter, die sich über

eine eingebaute Alexa mit uns unterhalten

können und Steuerungsfunktionen in Smart-

homes übernehmen. Diese Entwicklung wird

rasant fortschreiten. Für die E-Wirtschaft be-

deutet das einen wesentlichen Umbruch, der

das Erscheinungsbild des Sektors tiefgreifend

verändern wird. Konsumenten werden davon

profitieren und viele neue Services werden

bald selbstverständlich zu unserem Alltag ge-

hören.

Das interaktive Haus

im Dialog mit sei-

nem Bewohner: Was wie eine ferne, futuristi-

sche Vision aus dem Silicon Valley anmutet, ist

in Modellprojekten bereits Wirklichkeit. Smart

Living nennt sich das Ganze und wenn man

den Experten Glauben schenken darf, könnte

das voll vernetzte, intelligenteHeimschon bald

zum Standardrepertoire der Immobilienbran-

che gehören.

Diese Vision beinhaltet auch ein ausgefeiltes

Energiemanagement, das nur mehr zu einem

kleinen Teil von Energielieferungen von außen

abhängig ist. Das Haus der Zukunft wurde

selbstverständlich im Niedrigenergiestandard

errichtet, mit einem minimalen Bedarf an

Heizwärme und einer völlig automatisierten

Heizungsanlage, die sich an den jeweiligen

Außentemperaturen und den Gewohnheiten

der Bewohner orientiert. Das Herzstück der ge-

samten Anlage befindet sich auf demDach des

Hauses: Hocheffiziente Photovoltaikmodule,

diskret in Ziegelmanier verkleidet, sorgen für

eine permanente – und kostenlose – Zufuhr

von elektrischer Energie, die je nach Bedarf für

Wärme, Brauchwasser, Licht oder zum Betrieb

der Haushaltsgeräte genutzt werden kann.

Da wetterbedingt nicht gewährleistet werden

kann, dass die Anlage beständig die nötige

Energie liefert, wurde im Keller ein Batterie-

speicher installiert, der in Zeiten von Überpro-

duktion an sonnigen Tagen den Strom spei-

chert und ihn in der Nacht oder an wolkigen

Tagen wieder in die Anlage einspeist. Selbstre-

dend ist auch die Batterie des Elektromobils in

der eigenen Garage an das System angeschlos-

sen, was zum einen seinen (kostenlosen)

Betrieb gewährleistet, zum anderen eine wei-

tere Möglichkeit darstellt, den gerade nicht be-

nötigten Strom für spätere Zwecke „aufzube-

wahren.“

Im Idealfall produziert

das smarte Heim

der Zukunft so viel Energie, dass sein Besitzer

sogar Strom an seinen externen Energiedienst-

leister liefern kann – womit er zu einem soge-

nannten Prosumer wird. Denn auf einen sol-

chen wird man auch künftig nicht verzichten

können: Zum einen als Abnehmer des Über-

schuss-Stroms, zum anderen als jenem Exper-

ten, der die nötigen Services und Beratungen

bereitstellt, die man für das intelligente, ener-

gieeffiziente smarte Heim benötigt.

Schon heute sind die Energieversorger dabei,

sich auf diese neue Energiewelt einzustellen

und sich vomklassischen Strom- und Gasliefe-

ranten zumallumfassenden Energiedienstleis-

ter zu wandeln. Die Angebote reichen dabei

von Smart-Home-Kits über Energiemanage-

mentsysteme oder Eco Packages bis hin zur

kompletten Installation von Photovoltaikanla-

gen samt Speichern und allen anderen

dazugehörigen Komponenten.

Denkbar

und auch in Erprobung ist die so-

genannte Blockchain-Technologie. Diese Tech-

nologie ermöglicht den Energie- und Daten-

austausch

sowie

die

entsprechende

Abrechnung zwischen einzelnen Prosumern,

ohne dabei den Umweg über ein klassisches

Energieunternehmen nehmen zu müssen.

Auch mit diesem System, das viele Fragen der

Haftung, der Daten- und regulatorischen Si-

cherheit aufwirft, befassen sich die Akteure der

österreichischen E-Wirtschaft bereits intensiv.

Geleitet werden sie dabei von einer großen

Idee: Die privaten Haushalte als Teil der Ener-

giewelt zu begreifen und als gleichberechtigte

Partner in das smarte Energiesystem der Zu-

kunft zu integrieren.

Glossar

Prosumer

Der Begriff bezeichnet einen

Konsumenten, der als

Verbraucher seiner eigenen

Produkte agiert (Produzent +

Konsument). Im Energiebe­

reich wird der Begriff oft in

Zusammenhang mit

privaten Besitzern von

Photovoltaikanlagen

gebracht, die den selbst

produzierten Strom

entweder selbst verbrau­

chen und/oder in das Netz

ihres Stromversorgers

einspeisen.

Blockchain-Technologie

Dabei handelt es sich um

eine digitalisierte Daten­

übertragung bei der die

Daten im Rahmen eines

Geschäftsprozesses

zwischen den daran betei­

ligten Personen in Blöcken

zusammengefasst und dann

verschlüsselt übertragen

werden. Obwohl es diesbe­

züglich noch viele rechtliche

Unsicherheiten gibt, wird

diese Technologie in Pilot­

projekten auch bereits im

Energiebereich erprobt. Sie

ermöglicht es Prosumern,

Strom in eigenen Netz­

werken untereinander

auszutauschen und abzu­

rechnen. Die klassischen

Energieunternehmen

würden damit ihre Rolle als

Zwischenhändler verlieren.

Digitaler Sprachassistent

Internetkonzerne wie

Amazon und Google

arbeiten mit Hochdruck an

Sprachassistenten, die zum

einen die mündliche Steue­

rung der gesamten Haus­

technik ermöglichen, zum

anderen aber auch als virtu­

elle Gesprächspartner

eingesetzt werden können.

Amazon hat mit „Alexa“

bereits ein solches Smart­

home-Assistenzsystem auf

dem Markt, Apple und

Google wollen in Kürze

eigene Systeme folgen

lassen. Dem voll vernetzten,

sprachgesteuerten Smart­

home wird ein Milliarden­

markt nachgesagt.