Lehrermangel gefährdet Unterricht

20.11.2009 | 18:38

Zu wenig Pädagogen an den berufsbildenden höheren Schulen. Gewerkschaft kritisiert das Ministerium, das sich nur auf die Gesamtschule konzentriert.

WIEN. Hilfeschrei aus den berufsbildenden höheren Schulen: Es fehlen Lehrkräfte. Wenn die Universitäten nicht mehr Absolventen liefern, dann...


Dann müssten entweder die Schüler von fachfremden Lehrern unterrichtet werden und würden daher eine weniger profunde Ausbildung erhalten. Oder die Schulen müssen ihre Kapazitäten einschränken und weniger 14-Jährige aufnehmen. Roland Gangl, stellvertretender Vorsitzender der BMHS-Gewerkschaft, sieht diese Misere vor allem in seinem eigenen Lehrbereich. Das sind die kaufmännischen Fächer an den Handelsakademien und höheren wirtschaftlichen Schulen. Gangls Vorwurf: Wegen der andauernden Diskussion über die Schule der Zehn- bis 14-Jährigen – die Gesamtschuldiskussion – werde das weiterführende Schulwesen vernachlässigt.

Dabei findet Gangl für die Lehrerausbildung an der Wirtschafts-Uni nur lobende Worte: Sie sei fachtheoretisch und fachpraktisch auf höchstem Niveau, im ersten Studienabschnitt gebe es ein mehrwöchiges Schulpraktikum, später sei ein Schulsemester vorgesehen.

Warum gibt es wirklich nicht mehr Studienplätze? „Wir haben in allen Studienrichtungen zu wenig Plätze“, sagt Karl Sandner, WU-Vizerektor für Lehre, zur „Presse“. So könne man auch in den Sparten Rechnungswesen und Finanzwirtschaft die Nachfrage nicht befriedigen. Und außerdem: Es böten mehrere Universitäten das Studium der Wirtschaftspädagogik an.

Dass gerade die WU-Abgänger der Wirtschaftspädagogik wegen des profunden Studiums gefragt sind, weiß Sandner. Es gebe aber nur drei Professoren (davon ein o.Univ.-Prof.) und einige Assistenten für insgesamt 500 bis 600 Studierende. „Wenn das Ministerium will, kann und soll es mehr finanzieren.“ Dennoch verspricht der Vizerektor, dass hier eine Ausweitung kommen wird. Diesbezügliche Planungen laufen bereits.

 

HTL: Gehälter zu niedrig

Der akute Lehrermangel an den technischen Schulen ist meist auf ein finanzielles Problem zurückzuführen. Anstellungserfordernis ist eine mindestens vierjährige Praxis nach dem Studium. Und dann könne die Schule finanziell nicht mithalten, sagt HTL-Direktor Karl Reischer (Technologisches Gewerbemuseum/TGM). Elektrotechnik, Maschinenbau, Informationstechnologie, da suche er die meisten Lehrer. Überstunden, mit denen man das Gehalt aufbessern könnte, sind für die ersten Jahre nicht in Sicht. Zudem hat die Diskussion um eine höhere Lehrverpflichtung eine Verunsicherung ausgelöst. Besonders schlimm, so Reischer, werde es mit der bevorstehenden Pensionierungswelle.




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