Berufswunsch Lehrer: „Die meisten sehen nur die Ferien“
Vier angehende Pflichtschulpädagogen erzählen der "Presse", warum sie sich für diese Ausbildung entschieden haben.
Mirjam Pedrazzoli gibt sich kämpferisch. Die angehende Sonderschullehrerin ärgert das negative Image, das Pädagogen in der Gesellschaft haben. „Die meisten sehen nur die langen Ferien, nicht aber das Engagement der meisten Lehrer“, sagt die Studentin. Ob sie sich wegen der derzeit guten Jobaussichten für die Ausbildung entschlossen hat? „Ah, Sie meinen wegen des tollen Gehalts?“, meint sie sarkastisch. Nein, es sei ihr Wunsch, mit Kindern zu arbeiten. Auch Lisa Gattringer, Franziska Zedl und Andreas Wieland freuen sich schon darauf zu unterrichten. Sie werden derzeit an der Pädagogischen Hochschule Wien zu Volksschullehrern ausgebildet.
Ohne romantische Vorstellungen
Pedrazolli kommt aus einer Lehrerfamilie, und für die 25-Jährige war schon immer klar, dass auch sie diesen Beruf wählen wird. Ohne romantische Vorstellungen. Sie kennt die Sonnen- und Schattenseiten. Dennoch hat sie vor dem Studium an der Pädagogischen Hochschule noch etwas anderes gemacht: eine Ausbildung in Jazzgesang. Der Übergang von Schule als Schülerin zur Schule als Lehrerin sollte nicht ein nahtloser sein. Momentan ist sie im fünften Semester ihres Studiums.
Kindermusical
Gattringer steht noch ganz am Anfang. Die 27-Jährige, die bis vor Kurzem als Sekretärin in der Wirtschaft tätig war, hat diesen Herbst ihre Ausbildung zur Volksschullehrerin begonnen. Letzten Winter habe sie bei einer Kindermusicalproduktion mitgearbeitet und dabei gemerkt, „wie viel Freude mir die Arbeit mit Kindern macht“. So sei der Berufswunsch entstanden, Lehrerin zu werden. „Ich war schon immer eine Spätzünderin.“
Zedl (21) ist ausgebildete Kindergärtnerin. An der Uni Wien begann sie Publizistik zu studieren, „ich bin aber draufgekommen, dass ich gern wieder mit Kindern arbeiten würde“. Das tut sie auch, sie arbeitet 20Stunden in der Woche in einem Kindergarten – und studiert nun berufsbegleitend an der Pädagogischen Hochschule. Vieles, was sie aus der Arbeit mit Kleinkindern gelernt habe, werde ihr auch beim Unterrichten von Sechs- bis Zehnjährigen helfen, ist sie überzeugt. Wie Gattringer hat sie das Studium eben erst begonnen.
Jede Klasse ist unterschiedlich
Wieland (26) ist bereits im fünften Semester. Er kommt aus dem Sport, hat „schon früh begonnen, mit Kindern zu trainieren“. Wie Pedrazzoli stößt ihm das schlechte Image der Lehrer in der Öffentlichkeit auf. Nach vielen Hospitanzen an Schulen müsse er sagen: „Es steckt viel mehr hinter dem Unterricht – die Vorbereitung, das Erarbeiten, wie man den Unterricht gestaltet. Und man steht ja nicht nur drinnen in der Klasse und vermittelt Wissen. Man muss auch wissen, in welcher Form man vermittelt, wie man den Zugang zu den Kindern schafft. Jede Klasse ist unterschiedlich. Was hier funktioniert, muss da nicht klappen. Man muss sich jedes Mal neu auf die Kinder einstellen.“
„Das Problem ist, jeder war einmal in der Schule“, meint Pedrazzoli. „Jeder meint also, mitreden zu können.“ Wieland, einer der wenigen männlichen Studierenden in seinem Jahrgang, erzählt, manche seiner Freunde hätten gemeint, „als Volksschullehrer spielt man ja nur mit Kindern“. Dem sei aber nicht so. Im Gegenteil: Lehrer würden zusätzlich zur Vermittlungs- auch noch viel an Erziehungsarbeit übernehmen, Gewaltprävention etwa sei ein Thema, der Umgang mit Kindern aus verschiedenen Kulturen.
Keine Wunder
Wieland ist sich noch nicht sicher, ob er dann tatsächlich im Klassenzimmer stehen wird. Er könne sich auch – nach einer zusätzlichen Ausbildung – die Arbeit als Motopädagoge vorstellen. Pedrazzoli will später einmal „mit älteren Kindern“ arbeiten. Grundsätzlich betreuen Sonderschullehrer Sechs- bis 18-Jährige. Oft sehe sie sich mit der Frage „Wie hältst du das aus?“ konfrontiert, erzählt sie. „Aber ich weiß nicht, was sich die Leute da vorstellen. Ich finde diese Arbeit schön. Natürlich kann man keine Wunder bewirken. Es ist anstrengend, aber es lohnt sich.“
Positive Reaktionen
Gattringer ist mit ihrem Berufswunsch in ihrem Umfeld nur auf positive Reaktionen gestoßen: „Meine Freunde wissen, das passt zu mir.“ Die erste Reaktion eines Freundes in diesem Sommer sei gewesen, dass sie damit ja dann über einen sicheren Job habe. „Aber deswegen habe ich mich nicht dafür entschieden. Es war wirklich die Freude an der Arbeit mit Kindern.“ Die Ausbildung zur Volksschullehrerin habe sie jener zur Hauptschullehrerin vorgezogen, „weil sechs bis zehn genau das Alter ist, das mich interessiert. Außerdem traue ich mir die Zehn- bis 14-Jährigen nicht zu.“
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