Schlechte Chancen für gebildete Frauen

08.11.2009 | 09:31

Die Einkommensschere geht mit steigendem Bildungsniveau auseinander. Ein Drittel der Lohnunterschiede sei "nicht objektiv erklärbar", sagt eine AK-Expertin.

Bildung schützt Frauen nicht vor ungleicher Bezahlung: Auch unter gleich gut ausgebildeten Erwerbstätigen verdient das weibliche Geschlecht weniger als die männlichen Kollegen. Dabei wird der Abstand bei höheren Bildungsstufen sogar größer, erklärte Sybille Pirklbauer, Expertin der Arbeiterkammer (AK), im Gespräch mit der APA. Ein Drittel des Lohnunterschieds lasse sich außerdem nicht durch objektive Faktoren - etwa andere Bildung oder Arbeitszeit - erklären.

Generell würden Frauen immer noch um 40 Prozent weniger verdienen als Männer, betonte Pirklbauer. "Selbst wenn sie das ganze Jahr in Vollzeit arbeiten, haben sie noch immer einen Nachteil von 22 Prozent." Innerhalb der EU liegt Österreich bei der Einkommensschere auf dem zweiten Platz - nur in Estland ist sie noch größer.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Einkommensschere laut der AK-Expertin auch kaum verändert: "Früher hat man die Hoffnung darauf gesetzt, dass der Einkommensnachteil der Frauen verschwinden würde, wenn sie erst einmal gleich gut gebildet sind wie die Männer - das ist leider nicht der Fall." Schuld daran sei einerseits die stark gestiegene Teilzeitbeschäftigung - mittlerweile arbeiten vier von zehn erwerbstätigen Frauen Teilzeit. Andererseits sei Bildung kein Garant für gleiche Bezahlung: "Besser ausgebildete Frauen verdienen zwar mehr als schlecht ausgebildete, aber der Abstand zu gleich gut gebildeten Männern wird bei den höheren Bildungsstufen größer."

So beträgt der Abstand im Bereich der Pflichtschulabschlüsse rund 20,3 Prozent, der Lohnunterschied bei Akademikern liegt hingegen bei rund 27,4 Prozent. Haben Frauen einen Abschluss einer Berufsbildenden Höheren Schule (BHS), verdienen sie im Durchschnitt sogar um rund 33,9 Prozent weniger als gleich ausgebildete Männer. Dies liege daran, dass Frauen oft nicht in adäquaten Positionen eingesetzt würden, also etwa eine Akademikerin als Sekretärin arbeiten müsse. Vor allem in der Führungsebene zeige sich außerdem, dass Frauen für den gleichen Job besser qualifiziert sein müssten als Männer, so Pirklbauer.

Gründe dafür, dass die Einkommensschere überhaupt existiert, gebe es viele: Tendenziell würden Frauen öfter in Branchen und Berufen arbeiten, die generell schlechter bezahlt sind. Auch seien es die Frauen, die ihre Karriere wegen eines Kindes unterbrechen. Nach der Babypause, so Pirklbauer, sei eine Teilzeitbeschäftigung oft die einzige Möglichkeit, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Hinzu kommt, dass das weibliche Geschlecht "größere Hürden beim beruflichen Aufstieg" habe. Zum Teil herrsche noch immer die Meinung, dass Frauen für Führungspositionen nicht kompetent oder geeignet genug wären, kritisiert die Expertin. Aber auch Vernetzungen, sogenannte "Männerseilschaften", scheinen laut Pirklbauer eine Rolle zu spielen.

Immerhin ein Drittel des Lohnunterschieds ließe sich nicht durch objektive Faktoren erklären - ein "Hinweis" auf das Phänomen Frauenfeindlichkeit. Kalkül hinter ungleicher Bezahlung erkennt Pirklbauer aber nur bei einer "kleinen Minderheit" der Unternehmen. Das eigentliche Problem sei die fehlende Auseinandersetzung mit dem Thema. "Es ist wichtig, Bewusstsein zu schaffen", die AK trete deshalb für Transparenz der Einkommen auf betrieblicher Ebene ein.

Um "erkennbare Erfolge" bei der Schließung der Einkommensschere zu erzielen, sei aber eine Reihe weiterer Maßnahmen nötig, erläuterte Pirklbauer: Junge Frauen müssten für eine nicht-traditionelle Berufswahl sensibilisiert werden, außerdem müssten die partnerschaftliche Teilung der Betreuungspflichten sowie der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen gestärkt werden. Eine Förderung von Teilzeitbeschäftigung in qualifizierten und führenden Positionen könnte sich ebenfalls positiv auswirken, glaubt die Expertin.





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