Oprah Winfrey tritt ab: Talk, Tränen und Trara

20.11.2009 | 18:39

Die Talkshow-Queen Oprah Winfrey verkündet ihren Abschied in zwei Jahren, um einen eigenen Sender zu lancieren. Sie ist zur mächtigen Marke geworden.

Sollte ich mir Sorgen machen?“, fragte Oprah Winfrey ihren Gast Sarah Palin in Anspielung auf Spekulationen, die Politikerin könnte demnächst eine eigene Talkshow übernehmen. Die republikanische Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin schmunzelte und konterte entwaffnend: „Oprah, du bist die Queen der Talkshows.“


Das Wortgeplänkel beendete ein Interview, das der berühmtesten Talkmasterin der USA zu Beginn dieser Woche nationale Aufmerksamkeit und Rekordquoten sicherte. Winfrey hatte einen Coup gelandet. Mit einem eher belanglosen Talk über Familie, Werte und den Wahlkampf des Vorjahres schaffte sie es wieder einmal, die Schlagzeilen zu dominieren – so wie sie dies seit fast 25 Jahren tut. „Oprah“ ist im Laufe ihrer Karriere nicht nur zu einer stilbildenden Marke im US-Fernsehen geworden, sondern auch zu einer mächtigen Playerin im Kultur- und Gesellschaftsleben des Landes: ein popkulturelles Phänomen.

Ihren Stammplatz um vier Uhr nachmittags wird sie jedoch mittelfristig räumen. Als sie am Ende der Woche ihren langen – und auch lange erwarteten – Abschied verkündete, trieb sie die Quoten noch einmal in die Höhe und ihren Fans die Tränen in die Augen. Am 9. September 2011 werde sich das Abendrot über die Sendung senken, formulierte Tim Bennett, der Chef der Produktionsfirma Harpo, poetisch.

 

Schockwelle für gesamte Branche

Die Ankündigung hinterlässt eine ratlose Branche. „Schockwellen gehen durch die Fernsehlandschaft“, sagte Matt Lauer, der Moderator der CBS-Morning-Show „Today“. CBS, der Vertreiber der Oprah-Show, befürchtet Millionenverluste. Den mehr als 200 mit dem Network ABC verbundenen Lokalsendern, auf denen die Show läuft, droht ein handfestes Quotenloch vor der werberelevanten Primetime im Abendprogramm. Zusammen mit Discovery Communications wird Winfrey stattdessen ihren eigenen Sender im Kabelfernsehen starten: das Oprah Winfrey Network (OWN).

Die Einschaltquoten der 55-Jährigen waren zuletzt ein wenig gefallen: Nicht alle Zuseher des Nachmittagstalks goutierten das vehemente politische Engagement der Galionsfigur der afroamerikanischen Community für Barack Obama. Sie hatte ihn zu Wahlkampfauftritten begleitet und sich mit dessen Frau Michelle angefreundet, die prompt das Cover ihres Monatsmagazins „O“ zierte, das üblicherweise der Gründerin selbst vorbehalten bleibt. Als Winfrey im Spätsommer für die Kür ihrer Wahlheimat Chicago zur Olympia-Stadt 2016 antichambrierte, erlitt die erfolgsverwöhnte Macherin, deren Vermögen Forbes auf 2,7 Mrd. Dollar schätzt, einen seltenen Rückschlag.

„Ich bin aus dem Nichts gekommen“, erinnert sie sich in ihren Memoiren. „Keine Macht. Kein Geld.“ Für karitative Zwecke sollte sie später 300 Millionen Dollar ausgeben. In den USA hat sie sich einen Namen als Wohltäterin gemacht, in Südafrika hat sie sich einem Schulprojekt verschrieben. Als resolute Lady mit lauter Stimme arbeitete sie sich im Lokalfernsehen nach oben, bis ihre Show flächendeckend von Küste zu Küste lief. Das Publikum lachte und litt bei ihren Jo-Jo-Diätkuren mit. Einmal zog sie einen Sack mit 67 Pfund Fett ins Studio – eines der vielen Glanzlichter in ihrer TV-Karriere. Er entsprach vom Gewicht dem, was sie gerade abgenommen hatte.

Sie rüttelte in ihren Sendungen an Tabus, und 1996 etablierte sie einen monatlichen Buchklub, über den die Buchbranche jubelte. Ihre Empfehlungen kamen in die Bestsellerlisten, sie entdeckte William Faulkner und John Steinbeck für eine neue Generation – und Jonathan Franzen handelte sich eine bitterböse Kontroverse ein, als er sich trotz Lobs für sein Buch „Korrekturen“ weigerte, in ihrem Klub zu erscheinen. Derzeit wirbt sie als Produzentin für den Film „Precious“, die Geschichte einer minderjährigen Mutter, die bei den Oscars noch für Furore sorgen könnte.




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