Ist der Yeti wirklich Best of Skoda?

19.11.2009 | 18:32

Die Marke ist in den vergangenen Jahren nicht müde geworden, uns zu erstaunen. Der Yeti-Einstieg findet bei unter 20.000 Euro statt.

Die Marke ist in den vergangenen Jahren nicht müde geworden, uns zu erstaunen. Am meisten: wie selbstverständlich Skoda sich im Fuhrpark des Landes ausgebreitet hat und wie schnell das gegangen ist. Tschechien ist heute viertstärkste Autonation in Österreich mit zwei Modellen in den Top fünf.


Unterhielt man sich zuletzt mit Skoda-Menschen, hieß es immer: Wartet nur auf den Yeti. Die nunmehr fünfte Modellreihe der Volkswagen-Tochter kam fast zwangsläufig im Format eines kompakten SUV, eines der letzten Wachstumssegmente in Europa (einen billigen Kleinwagen unterhalb des Fabia wird es bald geben, den Sportwagen eher nicht).

Mit der Gelassenheit, nicht der Erste sein zu müssen, dafür freien Zugang zu den VW-Konzernregalen zu haben, entstand die Skoda-Version des VW Tiguan, nur etwas leichter, billiger, schlüssiger benannt („Yeti“ war tatsächlich noch frei).

Rustikal zugeschnitten

Die Zielgruppen dieser Vettern überschneiden sich: mehrheitlich eher reifere Herrschaften, die es vielleicht mit dem Kreuz oder den Knien haben und gern bequem einsteigen und die sich, hoch sitzend, im rustikaleren Zuschnitt eines Autos gut behütet fühlen.

Der Yeti-Einstieg findet bei unter 20.000 Euro statt, dort gibt es allerdings kein Allrad und nur einen 1,2-Liter-Benziner mit 105 PS. Von dieser Region war unser Testexemplar preislich fast um den Faktor zwei entfernt: Allrad nach Haldex-System, 140-PS-Diesel mit Common Rail, höchste Ausstattungsstufe. Allerlei Extras von Glasschiebedach über DVD-Navi bis Lederinterieur erhöhten auf fast 38.000 Euro, eine scharfe Ansage im Skoda-Universum. Die kleineren Posten fallen erst durch ihre Anzahl ins Gewicht, 180 Euro Aufpreis für Tempomat und 370 Euro für ein ordentliches Soundsystem sind ja nicht unverschämt zu nennen.

Das Design des Yeti besticht in Details durch geradezu schwedische Klarheit (man beachte den Bereich Heckleuchten/D-Säule), schafft mit all dem Offroad-Zierrat (Unterfahrschutz vorn und hinten, Radkästen nach Jeep-Art) aber auch eine Niedlichkeit, die man albern finden kann.

Öffentliche Anfeindung („böses SUV“) dürfte einem hingegen erspart bleiben. Der Yeti ist nur unwesentlich länger als ein Golf und knapp 20 Zentimeter höher, damit logiert man im Straßenverkehr bestenfalls auf Hochparterre.

Auf Gassenhöhe ist leider der Schaltknüppel des Sechsganggetriebes, in dem man noch dazu viel zu rühren hat, stecken geblieben. Für beiläufiges Schalten aus dem Handgelenk liegt er eindeutig zu tief.

Schalten auf Gassenhöhe

Und das Lenkrad steht deutlich flacher als etwa im Octavia, damit bringt man eine perfekte Sitzposition (wie im Octavia) nicht mehr zusammen. Die übrige Ergonomie, vor allem die Aufgeräumtheit des Cockpits, ist erstklassig. An Übersichtlichkeit in alle Richtungen mangelt es nicht. Etwas enervierend kann sich die Motorisierung geben, jedenfalls in der Stadt. Obwohl mit Common-Rail-Technik ausgestattet, brummt der Diesel etwas gar vernehmlich, und das Auto löst sich zäh von der Kupplung.

Ohne Gasstöße, die bei einem Diesel deplaziert wirken, droht einem der Motor beim Anfahren abzusterben. Soll es flotter dahingehen, und das stemmt das Fahrwerk locker, muss man auch fest ins Gaspedal steigen, dabei entwickelt der Vierzylinder aber kaum Drehfreude.

Lohn der Zurückhaltung ist ein toller Schnittverbrauch von etwa sieben Liter, mit etwas Umsicht klar darunter. Ein Schwergewicht ist der Yeti mit 1542 Kilogramm (vollgetankt, ohne Fahrer) eben nicht. Nicht viel Chancen gibt man der Benzinerfraktion, nur 160 PS sind mit Allrad kombinierbar. Ein schwächerer Diesel mit 110 PS kommt in wenigen Monaten.

Wie viel Platz hat nun ein Kompakt-SUV zu bieten? Dieser hier erstaunlich viel. Gänzlich unbeengt sitzen Fahrer und Passagiere (gehen wir von zwei hinten aus, wo sitzen heute noch fünf Personen in einem Auto, das kein Bus ist?).

Platz wäre geschaffen

Das Gepäck muss sich zunächst mit 405 Liter Volumen im Heckabteil bescheiden, doch lassen sich die Rücksitze verschieben, sodass sich 510 Liter ergeben, und das entspricht den Spitzenwerten der Mittelklasse. Mit umgelegten Rücksitzen sind es 1580 Liter, man kann die Sitze aber auch noch einzeln zusammenklappen und ganz herausnehmen. Dies gelingt ohne schwere Verletzungen und Gewichtheberhobby. Die makellose Verarbeitung zieht sich vom Cockpit bis zu allen Scharnieren und Hebelchen, mit denen man im Alltag so hantiert. (Skoda-Gadget: Die Beleuchtung des Laderaums lässt sich herausnehmen und als Akkutaschenlampe verwenden.)

Das alles sollte der versammelten Konkurrenz doch zu schaffen machen, und zu der zählt neben schwachen französischen und besseren koreanischen Beiträgen auch der Tiguan. Wem die SUV-Gattung, kompakt oder nicht, grundsätzlich suspekt ist, den wird auch der Yeti kaum locken. Die Preis-Leistungs-Wunder von Skoda heißen Octavia und Superb, abseits von Feldwegen sind sie die elegantere Wahl.





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