Österreichischer Drogenbericht: Konsum stabil bis sinkend
Laut dem österreichischen Drogenbericht geht der Konsum leicht zurück. Allerdings liefern Umfragen laut Experten "unmögliche" Ergebnisse. Auch die genaue Zahl der Drogentoten sei nicht bekannt.
Auch wenn immer wieder Horrorszenarien gezeichnet werden: Der Konsum an illegalen Drogen ist in Österreich stabil bis rückläufig. Im Jahr 2008 gab es 169 direkt mit Suchtgift in Verbindung stehende Todesopfer, im Jahr zuvor waren es 175. Durch die sinkende Zahl der Obduktionen ist aber eine genaue Bestimmung kaum mehr möglich.
Illegaler Drogenkonsum in Österreich betrifft zumeist Menschen, die damit in bestimmten Lebensphasen experimentieren. Das sind Hauptaussagen aus dem österreichischen Drogenbericht, der heute, Donnerstag, gleichzeitig mit dem europäischen Drogenreport veröffentlicht wurde.
Wesentliche Daten zum Suchtgiftkonsum kommen aus einer 2008 durchgeführten Umfrage unter 4196 Personen über 14 zum Prozentsatz jener Menschen, die je in ihrem Leben illegale Drogen genommen haben. 2008 gaben das für Cannabis zwölf Prozent an (die vorausgehende war 2004: 20 Prozent, Anm.), für Ecstasy, Amphetamine und Kokain je zwei Prozent, für Opiate ein Prozent, für biogene Drogen (Pilze etc.), LSD und Schnüffelstoffe je zwei Prozent an.
Erstaunliche Veränderungen
Die Veränderungen im Vergleich zu einer ähnlichen Untersuchung im Jahr 2004 sind erstaunlich. Die Autoren: "Ein solcher Rückgang im Intervall von nur vier Jahren ist unmöglich. Anderer Faktoren, wie z.B. eine sich verstärkende Tendenz, den Konsum illegaler Drogen zu verschweigen, oder erhebungstechnische Probleme müssen bei diesem 'Rückgang' eine wesentliche Rolle spielen." Jedenfalls, überbordend sind der illegale Drogenkonsum oder dessen Entwicklung in Österreich nicht.
Wichtiger für die Bestimmung des aktuellen Status ist eher die sogenannten Zwölf-Monats-Prävalenz, also wer innerhalb des vergangenen Jahres illegale Drogen genommen hat. Hier gab es 2008 eine Rate von 2,8 Prozent für Cannabis - auch hier waren es im Jahr 2007 mit 7,5 Prozent deutlich mehr. Alle anderen potenziellen illegalen Suchtmittel wurden innerhalb eines Jahres nur von weniger als einem Prozent der über 14-Jährigen benutzt.
Aktuelle Umfrage
Aktuelle Daten gibt es aber auch aus einer IFES-Umfrage mit 600 Testpersonen aus dem Jahr 2009. Sie wurde in ähnlicher Form 1993, 1997, 2001, 2005 und 2007 durchgeführt. Erfragt wurde jeweils wieder die Konsumerfahrung ab 15 Jahren - insgesamt (Lebensprävalenz):
- 1993 gaben Cannabis-Konsum fünf Prozent der Befragten an, 2007 wurden 19 Prozent erreicht, im Jahr 2009 dann 16 Prozent.
- Ecstasy wurde mit 1997 erstmals erhoben (damals zwei Prozent Konsumerfahrung). 2007 waren es vier, 2009 dann drei Prozent. Faktisch genauso waren die Werte für Amphetamine.
- Bei Opiaten gab es 1993 in der Bevölkerung bei einem Prozent "Konsumerfahrung". Das stieg bis 2009 auf drei Prozent an. Hier sind aber die Prozentsätze gering, was Veränderungen stärker ausfallen lässt.
- Ähnlich ist es bei Kokain: 2007 und in diesem Jahr gaben vier Prozent der Befragten Konsumerfahrung an, 2001 waren es zwei Prozent gewesen. Davor jeweils ein Prozent.
11.000 in Substitutionsbehandlung
Weiter stark ansteigend ist in Österreich die Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen. 1999 erhielten etwas weniger als 4000 Personen Methadon un ähnliche Ersatzstoffe auf Rezept in Apotheken. Ende 2008 waren es schließlich mehr als 11.000 Patienten. Die Substitutionsbehandlung bringt die Betroffenen in eine regelmäßige medizinische Betreuung und weg vom illegalen Suchtgiftkonsum. Sie kann den Betroffenen die Wiederaufnahme von Ausbildung oder geregelter Arbeit ermöglichen.
Derzeit wird eine Novellierung der entsprechenden Verordnungen vorbereitet. Über die Jahre hinweg - trotz immer wieder erfolgender Änderungen der Rahmenbedingungen - ist die Drogensubstitution in Österreich aber ein besonders wichtiges Standbein der Behandlung von Abhängigen.


