Kaum Stau in den Wiener Impfstraßen

09.11.2009 | 21:07

Tag eins der Schweinegrippe-Impfung: Menschen berichten von fehlendem Impfstoff und langen Wartezeiten. Generell erfolgte die Abfertigung rasch. In Salzburg wurden zwei Schulen geschlossen.

Wien. Montag. Nach der Sperre einer Volksschule in Wien wegen der Neuen Grippe bleiben ab sofort auch zwei Schulklassen in Salzburg geschlossen. Mehr als die Hälfte der Kinder ist erkrankt oder es liegt der Verdacht einer Erkrankung vor. Auch wurden dem Wiener Stadtschulrat weitere Erkrankungen aus Schulen gemeldet, je aus zwei Volksschulen und zwei AHS.


Szenenwechsel: „Es waren so unvorstellbar viele Menschen da". - „Es hat nicht richtig funktioniert". - „Das Personal war überfordert." Tag eins der Impfaktion gegen die „Schweinegrippe", die sich vor allem an Risikogruppen (Schwangere, chronisch kranke Kinder und Erwachsene) richtet: Das ganz große Chaos mag ausgeblieben sein, an einigen der 21 Wiener Impfstellen hat die Impfaktion aber vor allem verärgerte Menschen zurückgelassen.

Und ungeimpfte. Johannes Bauer etwa, der sich und seine beiden Kinder in der Elternberatungsstelle Rösslergasse im 23. Bezirk impfen lassen wollte. Als er sieben Minuten, nachdem die Stelle aufgesperrt hatte, kam, „war der Impfstoff aus," erzählt er. „Die hatten nur 60 Impfdosen vorrätig." Dutzende Eltern mit ihren Kleinkindern wurden wieder heimgeschickt und auf den nächsten Termin - Donnerstag vormittag - verwiesen. Den Bauer aber nicht wahrnehmen kann: „Da ist mein älteres Kind in der Schule."

Ansonsten hat sich an vielen Stellen bewahrheitet, wovor der Wiener Gesundheitsdienst (MA15) auf seiner Website im schönen Beamtendeutsch warnt: „Aufgrund möglicher unterschiedlicher Nutzung des Impfangebotes", steht da, „kann es zeitweise zu längeren Wartezeiten kommen." Wie im Hera-Sanatorium, wo „die Schlange bis auf die Straße gereicht hat", wie Lacy Milkovics, ein 68-jähriger Pensionist, erzählt.

„Das ist nirgendwo gestanden"

Das Personal sei zwar bemüht, ein schneller Ablauf sei aber ob der mehrseitigen Formulare, die jeder Impfwillige ausfüllen muss, nicht möglich gewesen. Nach langer Wartezeit dann die Ernüchterung: Milkovics wurde die Impfung verweigert, weil er wegen eines Herzfehlers das Medikament Marcumar einnimmt. „Dass Menschen, die Blutgerinnungsmittel nehmen, die Impfung nicht bekommen dürfen, ist nirgendwo gestanden," sagt er. „Das ist mir erst dort gesagt worden." Nachdem er fast drei Stunden gewartet hatte.

Auch in der Impfstelle der MA15 in der Erdberger Business-Stadt „Town Town" werfen gerade die Fragen nach Medikamenten auf den Formularen immer wieder Fragen auf. Junge Ordner helfen beim Ausfüllen. Es sind viele ältere Menschen, die sich schon am ersten Tag der Impfaktion eingefunden haben. „Das haben wir erwartet", sagt Landessanitätsdirektorin Karin Spacek, die das Geschehen im Warteraum überwacht. „Die sind es gewohnt, sich gegen Grippe impfen zu lassen." Der Rest ist durchmischt, auch viele Jüngere sind dabei. In 20er-Gruppen wird man hier in den Impfbereich gebeten, in Einzelzimmern geimpft. Nach kaum einer Viertelstunde ist man hier wieder draußen.

Ingeborg Siegert hat die Impfung schon hinter sich. Die 63-jährige Pensionistin war „beunruhigt, weil man sich so leicht anstecken kann." Auslöser für ihre Entscheidung sei letztendlich die Situation in der Ukraine gewesen. „Das ist ja praktisch vor der Haustür. Da bin ich gleich am ersten Tag gekommen, bevor alles überlaufen ist." Auch eine Frau in Jeans und Mantel hat sich bereits impfen lassen. „Mein Mann hat Asthma", erklärt die 36-Jährige. „Und ich möchte auf keinen Fall Überträgerin sein."

Ähnlich reibungslos - wenngleich mit einigen Schlangen - auch der Ablauf in den fünf Impfstellen der Wiener Gebietskrankenkasse. Reinhard Marek, ärztlicher Leiter der WGKK, zeigte sich „überrascht" ob des regen Andrangs, besonders durch Familien mit Kindern. Insgesamt ließen sich dort gestern rund 2750 Menschen immunisieren.




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