Italiens Justiz rechnet mit CIA-Kidnappern ab

Im weltweit ersten Prozess um das Entführungs-Programm der CIA nach den Anschlägen von 9/11 hat ein Mailänder Gericht 22 CIA-Agenten zu Haftstrafen verurteilt. Sie sollen einen Imam gekidnappt haben.

Im weltweit ersten Prozess um das Entführungsprogramm der CIA nach den Anschlägen des 11. September 2001 ist an diesem Mittwoch in Mailand  ein eindeutiges Urteil ergangen. 22 US-Agenten und ein Oberst der US-Air Force wurden in Abwesenheit zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie sollen an der Entführung des terrorverdächtigen Imam Abu Omar im Jahr 2003 beteiligt gewesen sein.

Auch Agenten des italienischen Geheimdiensts Sismi waren angeklagt. Bei ihnen war die Beweislage aber schwieriger: Zwei wurden wegen Komplizenschaft bei der Entführung zu drei Jahren Haft verurteilt. Fünf weitere, darunter Ex-Sismi-Direktor, Nicolo Pollari, mussten freigesprochen werden. Beweise, die ihre Kooperation mit den US-Agenten belegten, wurden als geheim eingestuft. Auch zwei CIA-Agenten wurden freigesprochen.


Von Mailand nach Ägypten verschleppt

Der radikale ägyptische Geistliche Osama Mustafa Hassan Nasr alias Abu Omar war am 17. Februar 2003 auf offener Straße in Mailand aufgegriffen worden. Im Anschluss soll er über den US-Fliegerhorst Ramstein in Deutschland nach Ägypten verschleppt worden sein. Der Imam gab später an, dass er während der Gefangenschaft gefoltertwurde. Laut der Mailänder Staatsanwaltschaft unterstützte der italienische Geheimdienst die Entführung durch die CIA.

Staatsanwalt deckte Fall auf

International bekannt wurde der Fall erst, als der italienische Staatsanwalt Armando Spataro die Hintergründe zu recherchieren begann. Fünf Jahre lang deckte er Puzzleteilchen des Falles auf.

Spataro warf dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi und seinem Vorgänger Romano Prodi vor, den Begriff des Staatsgeheimnisses zu verzerren, um der Justiz Steine in den Weg zu legen. Er versuchte mehr als einmal, Berlusconi und Prodi als Zeugen in dem Verfahren um die Entführung des ägyptischen Imams vorzuladen. Diese beriefen sich auf das Staatsgeheimnis, um nicht vor Gericht erscheinen zu müssen.




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