Mammuts in Amerika nicht durch Menschen ausgerottet

19.11.2009 | 18:31

Es gab keinen "Blitzkrieg" gegen Säugetiere. Die Megafauna verschwand in Amerika schon vor der Einwanderung der Clovis-Steinzeitkultur. Das Mammutsterben veränderte die Welt.

Von einem „Blitzkrieg“ der Menschen gegen große Säugetiere und Vögel sprechen manche Paläontologen, wenn sie unseren Vorfahren die Schuld am Aussterben von Mammuts, Mastodons, Moas, riesigen Bibern, Kängurus und Faultieren et cetera geben. Vor allem die Jäger und Sammler der amerikanischen Clovis-Kultur mit ihren typischen steinernen Speeren sollen an dieser schnellen Ausrottung von insgesamt 36 Tiergattungen mitgewirkt haben. Andere Wissenschaftler machen einen Meteoriten verantwortlich, der vor 13.000 Jahren auf die Erde fiel. Doch nun präsentieren Forscher um Jacquelyn Gill (University of Madison) eine Untersuchung, der zufolge beide Theorien falsch sind, weil sie sich zeitlich nicht ausgehen (Science, 326, S.1100).


 

Aus Savannen wurden Wälder

Um den Niedergang der riesigen Tiere zu ergründen, verwendeten sie u.a. einen kleinen Organismus: Sporomiella, einen Pilz, der Sporen im Kot großer Pflanzenfresser produziert. Seine Häufigkeit in Sedimenten gibt darüber Auskunft, wie viele Tiere in der Zeit lebten, als sich diese bildeten. Daraus und aus der Analyse von Pollen und Holzkohle schließen sie: Das Aussterben der Megafauna begann schon vor 14.800 bis vor 13.700 Jahren, also vor dem Meteoriteneinschlag. Und auch vor der Clovis-Kultur, die vor ca. 11.500 und 11.000 Jahren blühte. Bevor ihre Träger nach Amerika einwanderten, hatten dort wesentlich weniger Menschen gelebt, deren Technologie auch viel weniger avanciert war. So schwanden die Bestände der Mammuts & Co. viel langsamer, als die „Blitzkrieg-Theorie“ besagt. Vielleicht konnten die Clovis nur noch die letzten Reste jagen – und mussten daher ihre Technik verfeinern.

Das Ende der Megafauna hatte laut Gill aber gravierende Auswirkungen auf die Ökologie: Aus Savannen wurden Wälder, geprägt durch große Laubbäume wie Ulmen, einfach, weil niemand mehr die Bäume wegfraß. Damit wurden Großfeuer häufiger, deren Spuren man heute aus Holzkohle lesen kann. So haben nicht, wie oft vermutet, Feuersbrünste zur Ausrottung der Mammuts beigetragen, vielmehr hat umgekehrt das Aussterben der Mammuts die Brände bedingt. tk




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