Was ich lese: Ludwig W. Müller
Kabarettist aus Innsbruck
Englisch war nie meine Lieblingssprache,und der Osten Europas hat mich immer mehr angezogen als die angloamerikanische Welt. Trotzdem lese ich nun schon seit Jahren fast nur englische Bücher, vorzugsweise im Original. Es war ein harter Weg, bis mein Schulvokabular so weit aufgestockt war, aber es hat sich ausgezahlt. Schuld an meiner Anglomanie ist vor allem der Witz, der viele englischsprachige Autoren auszeichnet. Wenn ein neuerDavid Sedaris herauskommt, teile ich ihn mir in kleine Häppchen auf (wie früher die Weihnachtsschokolade), damit ich über längere Zeit etwas von diesem herrlich kranken Humor habe.
Auf einer längeren Durststrecke zwischen zwei Sedarissen stieß ich dann auf die geniale Symbiose aus slawischem und britischem Humor: Marina Lewycka, „A Short History of Tractors in the Ukrainian“ („Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“, dtv).Das Buch beginnt damit, dass der greise Vater der Erzählerin, ein ehemaliger Maschinenbauingenieur, eine airbag-busige ukrainische Mittdreißigerin heiraten will, die natürlich in erster Linie eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung in England braucht. Die beiden Töchter des bis dahin ehrbaren Witwers, beide in England aufgewachsen, schwenken schließlich auf die einzig denkbare Lösung ein: Das hochhackige Monster muss weg, bevor das gesamte Erbe des gutmütigen Vaters aufgebraucht ist. Eine Story, die durchaus nicht am Traktor herbeigezogen ist.
Als Spezialtipp vielleicht noch ein kleines Fundstück aus der Wühle: „Der Buick“ von Stephen King gelangte als 1-Euro-Mängelexemplar in meinen Besitz. Das Tor zur Hölle öffnet sich im Kofferraum eines herrenlosen Pkw. An manchen Stellen zu lang, aber in seiner Art völlig einzigartig! ■
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