Nach Bayern-Pleite: Van Gaal schlechter als Klinsmann

04.11.2009 | 18:21

Bayern-Coach van Gaal übt sich nach der Bordeaux-Pleite in Durchhalteparolen.

München. „Wenn der FC Bayern verliert, herrscht immer Unruhe. Das weiß ich. Aber wir müssen weitermachen. Ich habe in der Kabine den Spielern gesagt, dass das Leben weitergeht“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal nach der blamablen Leistung seines Teams gegen Bordeaux. In der heimischen Allianz-Arena hat der französische Meister die deutsche Millionentruppe Dienstagabend mit 2:0 vom Platz gefegt.


Und wie recht van Gaal hat: Bei Bayern herrscht Unruhe. Das merkt man allein daran, dass die Vereinsbosse gefährlich lange schweigen. Bis gestern Nachmittag hat sich weder Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz-Rummenigge noch Manager Ulli Hoeneß zu Wort gemeldet. Und auch Franz Beckenbauer ließ nichts von sich hören.

Dabei gäbe es viel zu besprechen. Erstmals seit der Saison 2002/03 ist Bayerns Aus in der Gruppenphase fast schon besiegelt. Aus eigener Kraft können die Münchner das Achtelfinale der Fußballkönigsklasse nicht mehr erreichen, so viel ist fix. Nur Trainer Louis van Gaal stand nach der Heimpleite Rede und Antwort. Und übte sich in Durchhalteparolen: „Wir sind noch nicht raus, wir haben noch eine kleine Chance. aber wir sind abhängig von Bordeaux und Juventus Turin.“ Zuerst müsse man aber die beiden ausstehenden Gruppenspiele gewinnen. „Haifa ist kein schlechter Gegner, in Turin müssen wir alle in bester Form sein – das waren wir gegen Bordeaux nicht“, gab sich van Gaal realistisch.

 

Van Gaals schlechte Bilanz

Zu besprechen ist auch die Bilanz van Gaals. Seit 1. Juli dieses Jahres ist der Niederländer Chefcoach der Bayern. Geholt wurde der „absolute Wunschtrainer“, um jene Großtaten zu vollbringen, an denen Jürgen Klinsmann in der Vorsaison gescheitert war. Klinsmanns Nachfolger sollte laut Rummenigge „ein Fußballlehrer sein, der Erfahrung besitzt, Erfolge vorweisen und mit Stars umgehen kann. Einer, der kurzfristigen Erfolg verspricht und langfristig eine Spielphilosophie entwickelt.“

In van Gaal glaubten die Bayern-Bosse all diese Kriterien gefunden zu haben. Von kurzfristigen Erfolgen kann keine Rede sein, mit den Stars wie Franck Ribery und Luca Toni hat van Gaal nicht das beste Einvernehmen. Und auch die Statistik spricht gegen den 58-jährigen Extrainer des FC Barcelona. Nach vier Gruppenspielen in der Champions League und elf Bundesliga-Runden steht im Vergleich sogar der glücklose Revolutionär Klinsmann noch besser da.

Vor genau einem Jahr war Bayern in der Champions League nach je zwei Siegen und Unentschieden ungeschlagen. Am Ende der Gruppenphase führte Klinsmann sein Team als Gruppensieger ohne Niederlage ins Achtelfinale. Unter van Gaal halten die Bayern aktuell bei einem Sieg, einem Unentschieden und zwei Niederlagen. Hinter Fixaufsteiger Bordeaux und Juventus Turin liegen sie in Gruppe A auf Platz drei.

In der Bundesliga findet sich Bayern nach elf Spieltagen mit 19 Punkten gar nur auf Platz sechs wieder. Auch hier hatte Klinsmann die Nase vorn: Sechs Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen ergaben 21 Punkte und Platz drei.

 

Alles eine Frage der Zeit

Gegen Bordeaux hatte Bayern zwar mit 60 Prozent mehr Ballbesitz, das Problem ist aber die Offensive. Vor allem, wenn Franck Ribéry und Arjen Robben nicht fit sind. Van Gaal sagt, er brauche mehr Zeit, den Spielern sein System nahezubringen. Zeit, die die Bayern-Vorstandsriege van Gaal ursprünglich auch zugestehen wollte. „Wir haben immer vorgehabt, mal einen Trainer zu finden, der zwei, drei, vier Jahre eine Mannschaft formt“, sagte Hoeneß nach van Gaals Verpflichtung noch vor wenigen Monaten.

Angesichts der chronischen Erfolglosigkeit der vergangenen Wochen stellt sich aber die Frage, wie viel Zeit Luis van Gaal noch eingeräumt wird. Jürgen Klinsmann musste nach zehn Monaten seinen Trainersessel räumen.




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