Rapid - Austria 4:1: Es steht eine grün-weiße Festung

22.11.2009 | 18:14

Rapid feierte im 291. Derby einen klaren 4:1-Sieg und hat am Mittwoch die Chance, die Tabellenführung zu übernehmen. Austria, in Hütteldorf seit 2004 sieglos, spielte enttäuschend.

WIEN. Rapid ist wieder erster Verfolger von Meister Salzburg, der sich in Kapfenberg zu einem 2:0-Sieg gemüht hat. Die Hütteldorfer feierten am Sonntag im ausverkauften Hanappi-Stadion dank Hofmann-Festspielen einen klaren 4:1-Erfolg über die Austria. Sie prolongierten damit ihre stolze Ligaheimserie. Am Mittwoch hat der Rekordmeister im Nachtragsspiel gegen Sturm Graz nun die Möglichkeit, punktemäßig mit dem Tabellenführer gleichzuziehen und ihn dank besserer Tordifferenz sogar überholen zu können. Am kommenden Sonntag kommt es dann zum großen Showdown der beiden Titelkandidaten in Salzburg.


 

Safars Griff ins Leere

Für Grün-Weiß begann das 291. Derby ganz nach Wunsch. Und das machte das Leben der Austrianer doppelt schwer. Nach nur fünf Minuten stand es bereits 1:0. Das Hanappi-Stadion bebte erstmals. Steffen Hofmann, der Kapitän, trat zum Freistoß an, zirkelte den Ball in Richtung Austria-Gehäuse – und der Ball landete in den Maschen. Szabolcs Safar, der sonst so sichere und verlässliche Tormann, hatte den Schuss falsch berechnet, er ließ sich überraschen und irritieren. Und machte bei der versuchten Abwehrreaktion alles falsch.

Es war ein relativ billiges Tor, das Rapid, daheim ohnedies nur schwer aus dem Konzept zu bringen, einen zusätzlichen psychologischen Vorteil verschaffte. Rollen einmal die grün-weißen Angriffe, dann kommt freilich auch die Austria in Schwierigkeiten. Um das bestens besetzte Mittelfeld beneidet Rapid mindestens die halbe Liga, im Angriff ist der Kroate Nikica Jelavic ein echter Torgarant. Diesmal war er mit dem Kopf zur Stelle, hechtete sich kompromisslos in eine Boskovic-Flanke, erhöhte auf 2:0 (17.).

Der rasche Rückstand war für die Austria nur schwer verdaubar, letztlich nicht zu verkraften. Spielerisch klappte wenig bis gar nichts, im Angriff blieb zunächst der Brasilianer Schumacher völlig wirkungslos. Und wenn Kapitän Milenko Acimovic nicht in die Gänge kommt, dann ist die violette Fußballwelt nicht heil.

 

Daxbachers Trainerqualen

Die Wiener Austria wirkte ob der ohrenbetäubenden Kulisse nicht nur eingeschüchtert, sondern auch verunsichert. Dabei hatte Trainer Karl Daxbacher einen rotzfrechen Auftritt seiner Mannschaft gefordert. Stattdessen machte sich eine auffallende Schwäche in der Fremde bemerkbar. Schon in Kapfenberg und in Wiener Neustadt hatte man das Nachsehen gehabt.

Trainer Daxbacher reagierte in der Pause, schickte mit Diabang eine zweite Spitze ins Derby. Aber im Fußball genügt oft eine Situation, um eine taktische Überlegung zunichte zu machen. Der polnische Abwehrchef Jacek Bak stoppte nach nur 22 Sekunden nach Wiederanpfiff Rapids Jelavic mit unfairen Mitteln, Schiedsrichter Fritz Stuchlik, der sein letztes Wiener Derby leitete, schritt zur Tat. Ein Pfiff, ein Griff in die Brusttasche – Rot. Die Austria war numerisch geschwächt, also musste Karl Daxbacher erneut umstellen. Er holte Schumacher vom Feld, brachte den jungen Teamspieler Aleksander Dragovic.

Zum fälligen Freistoß trabte Steffen Hofmann an und das hieß an diesem typischen Novembernachmittag nichts Gutes für den Cupsieger. Der Denker und Lenker der Hütteldorfer lief an, zwirbelte den Ball elegant über die Mauer und Safar war erneut geschlagen (47.). Diesmal allerdings traf ihn keine Schuld, Rapids „König der ruhenden Bälle“ hatte sich wieder einmal selbst die Krone aufgesetzt Und ein Hofmann fehlt der Austria, weil Acimovic eher einer Diva gleicht. Aber der Deutsche hat seinen Vertrag mit dem Rekordmeister noch nicht verlängert, obschon man sich in intensiven Verhandlungen befindet.

 

Provokante Zündler

Wirklich gefährlich wurden die Gäste aus Favoriten nur einmal, eine Unaufmerksamkeit der Rapid-Abwehr nützte Matthias Hattenberger, um auf 1:3 (57.) zu verkürzen. Den Schlusspunkt aber setzte der eingewechselte Salihi kurz vor Schluss (89.).

Auf den Rängen wurden indes Gehässigkeiten ausgetauscht, gegenseitige Provokationen gehören in Wien bei einem Derby offenbar dazu. Ebenso die bengalischen Feuer, denen Innenministerin Maria Fekter den Garaus machen will. Gezündelt wurde schon genug.





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