EZB lässt Leitzins bei 1,0 Prozent
Der Leitzins im Euro-Raum bleibt unverändert. Offen bleibt, wann die EZB die Politik des billigen Geldes beendet. "Unsere erweiterte Kreditunterstützung ist nicht für die Ewigkeit", hielt sich EZB-Chef Trichet vage.
Der Leitzins im Euro-Raum bleibt unverändert bei 1,0 Prozent. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise verharrt der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld seit Mai auf diesem Rekordtief.
Für ein Ende der extrem expansiven Geldpolitik scheint es wegen der unsicheren Konjunkturlage und der niedrigen Inflationsraten noch zu früh. Ein Großteil der Experten erwartet, dass die EZB das aktuelle Zinsniveau bis zum Ende des dritten Quartals 2010 beibehält.
Wird Markt Liquidität entzogen?
Mit Spannung war erwartet worden, ob EZB-Präsident Jean-Claude Hinweise geben wird, wie lange die Notenbank noch Milliarden an billigem Geld in den Markt pumpt, um die Banken mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen.
Diesbezüglich deutete Trichet an, dass einige der Nothilfen, die die EZB auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise ergriffen hatte, in Zukunft unter bestimmten Umständen nicht mehr gebraucht würden. Diese Maßnahmen würden zum geeigneten Zeitpunkt zurückgenommen. "Unsere erweiterte Kreditunterstützung ist nicht für die Ewigkeit", sagte der Notenbankchef. Wann und wie das geschehen soll, ließ er aber offen.
Jahrestender könnte bald eingestellt werden
Der deutsche Bundesbank-Chef Axel Weber hatte in der vergangenen Woche angedeutet, dass die Notenbank damit beginnen könnte, dem Bankensystem sukzessive Liquidität zu entziehen. Weber brachte als ersten Schritt die Einstellung der auf ein Jahr laufenden Refinanzierungsgeschäfte ins Spiel. Trichet will sich dazu erst nach der Ratssitzung im Dezember äußern.
Vor der Krise konnten sich die Banken in der Euro-Zone Geld für maximal drei Monate bei der europäischen Zentralbank leihen. Beim ersten sogenannten Jahrestender im Juni hatten sich die Banken wegen der damals noch massiven Verunsicherung mit fast einer halben Billion Euro eingedeckt. Bereits im September war die Nachfrage bei einem zweiten Jahrestender wesentlich geringer.
Auch Bank of England entscheidet über Zinsen
Indes verstärkt die britische Zentralbank ihren Kampf gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten. Wie die Bank von England am Donnerstag nach einer zweitägigen Sitzung des geldpolitischen Komitees in London mitteilte, wird sie zusätzlich Wertpapiere im Gesamtwert von bis zu 25 Milliarden Pfund (28,0 Milliarden Euro) ankaufen.
Sie hatte erst kürzlich ihr Programm über 175 Milliarden Pfund abgeschlossen. Analysten hatten mit einer Ausweitung gerechnet. Mit dem Kauf von Wertpapieren stellt die Zentralbank Finanzsystem und Wirtschaft zusätzliches Geld zur Verfügung. Sie will damit den Geldkreislauf wieder in Schwung bringen, der wegen der Krise ins Stocken geraten ist. Ihren Leitzins beließen die Notenbanker erwartungsgemäß bei rekordniedrigen 0,5 Prozent.
US-Notenbank Fed tastet Leitzins nicht an
Am Vorabend hatte die US-Notenbank ihren Leitzins trotz Wirtschaftserholung nicht angetastet und signalisiert, dass er noch längere Zeit auf dem niedrigen Niveau bleiben dürfte.
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