Veranlagungen: Versicherungen versenken Milliarden
Die Finanzkrise bescherte den österreichischen Versicherungen einen Abschreibungsbedarf von 2,1 Mrd. Euro. Grund sind Veranlagungen bei Lehman Brothers und in Island. Den Börsenboom in den vergangenen Monaten haben die verschlafen.
Wien. Die Finanzkrise hat nicht nur die Banken, sondern auch die Versicherungen hart getroffen. Allein in Österreich haben die Assekuranzen in den Jahren 2007 und 2008 in Summe 2,1Mrd.Euro abgeschrieben. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Wifo-Experte Thomas Url hervor. „Dabei dürfte es sich nicht nur um Buchverluste handeln, sondern der Großteil dürfte realisiert worden sein“, sagt Url im „Presse“-Gespräch. Seinen Angaben zufolge hielten die Gesellschaften unter anderem Wertpapiere der US-Investmentbank Lehman Brothers.
Auch in Island waren die heimischen Versicherungen engagiert. Laut Url seien die negativen Auswirkungen der Finanzkrise in allen Bereichen der Privatversicherungen zu beobachten gewesen. Der hohe Abschreibungsbedarf habe in allen drei Sparten (Lebens-, Kranken- sowie Schadens- und Unfallversicherung) einen scharfen Rückgang der Finanzerträge bewirkt.
Trotz Krise gibt es einen Gewinn
Url ist der erste Fachmann, der die Auswirkungen der Finanzkrise auf die heimische Versicherungsbranche berechnet hat. Kunden müssen sich dennoch keine Sorgen machen. Denn trotz des Abschreibungsbedarfs haben die Versicherungen im Vorjahr aus der Finanzgebarung laut Wifo-Studie einen Überschuss von 2,3Mrd.Euro erzielt. In der Lebenssparte ging der Gewinn aus den Anlagegeschäften um 32,3Prozent auf 1,6Mrd.Euro zurück.
Es gibt aber einige Gesellschaften (wie Wüstenrot oder die Bank Austria Versicherung), die im Vorjahr teilweise beachtliche Verluste erwirtschafteten. Sie konnten das Minus mit der Auflösung von Reserven abdecken. Im Gegensatz zu den Banken brauchte daher in Österreich keine Versicherung Hilfe vom Staat.
Für die Kunden bedeutet die Entwicklung aber nichts Gutes. Neben den Abschreibungen für Wertpapiere mussten die Versicherungen zuletzt auch hohe Unwetterschäden verkraften. Laut Analyse des Versicherungsverbands verursachten außergewöhnliche Wetterereignisse wie Hagel, Sturm und Hochwasser seit Jahresbeginn versicherte Schäden von einer halben Milliarde Euro. Das ist ein neuer Rekord. Die Schäden sind höher als jene des „Jahrhunderthochwassers“ aus dem Jahr 2002.
Prämien werden angehoben
Viele Gesellschaften wie die Generali und die Wiener Städtische haben daher angekündigt, die Prämien für Sturm und Hagel demnächst um bis zu zehn Prozent zu erhöhen.
Bereits 2008 lag die Schadenquote in der Sturmschadenversicherung bei 153,9Prozent und in der Hagelversicherung bei 125,4 Prozent. In beiden Sparten lagen die Leistungen laut Wifo-Studie schon 2006 und 2007 über den Einnahmen. Auch der Aufwand für Einbruch und Diebstahl macht einigen Assekuranzen zu schaffen.
Nicht viel besser sieht die Situation für Inhaber von Lebenspolizzen aus. Obwohl die Aktienkurse seit Frühjahr um mehr als 50Prozent gestiegen sind, müssen sich Versicherungskunden mit sinkenden Überschusszahlungen auf ihre Polizzen zufriedengeben. Viele Gesellschaften spüren nichts vom Börsenboom, da sie den Aktienanteil im Zuge der Finanzkrise gesenkt haben. In Österreich haben die meisten Lebensversicherungen zuletzt 4,25Prozent an ihre Kunden ausgeschüttet. Wiener- Städtische-Chef Günter Geyer geht davon aus, dass dieses Ziel heuer nicht erreicht werden kann. Er vermutet, dass die Rendite auf etwas unter vier Prozent sinken werde. „Im Vergleich zu den Zinsen auf dem Sparbuch schneiden die Versicherungen aber immer noch besser ab“, sagt Geyer.
Der Städtische-Chef geht davon aus, dass der von Wifo-Chef Url berechnete Abschreibungsbedarf für von 2,1Mrd.Euro stimmt. Anders als Url ist Geyer der Ansicht, dass es sich dabei meist um Buchverluste handelt. „Ich kann nur für die Wiener Städtische sprechen, doch wir waren nur in geringem Umfang in Island und bei Lehman Brothers engagiert“, so Geyer, der auch Präsident des Versicherungsverbands ist. Im Vergleich zu ausländischen Mitbewerbern hätten die heimischen Gesellschaften die Krise ganz gut überstanden.
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