General Motors: „Big Ed“ ist der Boss
Verwaltungsratschef Edward Whitacre gilt als neuer starker Mann bei General Motors. Der Texaner hat den Opel-Verkauf vereitelt.
washington. „Es war so, als ob man eine Münze geworfen hätte.“ So beschreibt John Smith, der Chefverhandler von General Motors (GM), die Entscheidung des Verwaltungsrats des Autokonzerns in Detroit, den Opel-Deal doch noch platzen zu lassen. Am Ende saßen die Gegner eines Verkaufs der deutschen Tochterfirma, der nach einem monatelangen Nervenkrieg zwischen Detroit und Berlin unter Dach und Fach schien, in dem Gremium am längeren Ast.
GM-Chef Fritz Henderson, erst seit einem halben Jahr im Amt, ist damit brüskiert. Der erst im Sommer von der US-Regierung eingesetzte Verwaltungsratschef Edward Whitacre gilt hingegen als neuer starker Mann: „Big Ed“, so der Spitzname des Texaners, ist der Boss. In den USA kommt dem Aufsichtsrat ohnehin eine stärkere Position zu als in Europa. Whitacre werden Bulldozerqualitäten bescheinigt, und dass er in seiner Freizeit mit schwerem Gerät auf seiner Farm herumpflügt, fügt sich ins Bild. Er soll verhindern, dass der Verwaltungsrat die Konzernpläne lediglich abnickt, wie es unter Henderson-Vorgänger Rick Wagoner jahrelange Praxis war – mit ein Grund, der den Autoriesen in die Krise schlittern ließ.
„Diese Firma sollte nicht schrumpfen, sondern wachsen“, erklärte Whitacre vielsagend bei seinem ersten Auftritt. „Think big“: Das ist das Motto des ehemaligen AT&T-Chefs, der das Unternehmen durch eine Reihe von Fusionen zu einer fixen Größe in der Telekommunikationsbranche gemacht hat. Von Anfang an hat der 68-Jährige seine Skepsis gegenüber einem Opel-Verkauf angemeldet, obwohl er beteuerte: „Von Autos habe ich keine Ahnung.“
Im neu besetzten, mit hochkarätigen Managern besetzten Kontrollgremium hat Whitacre Verbündete gefunden. So soll etwa David Bonderman, Chef des Finanzinvestors TPG, maßgeblich zum Stimmungsumschwung beigetragen haben. Bonderman ist gewissermaßen ein „Bruder im Geiste“: Zu seiner Geburtstagsparty ließ der Milliardär die Rolling Stones einfliegen.
Vision als globaler Player
Bereits Ende August hatte der Verwaltungsrat mit seiner Empfehlung an die Konzernführung aufhorchen lassen, alle Optionen zu überprüfen. Mitten im Wahlkampf war die deutsche Regierung aufgeschreckt. Mit einem Mal schien General Motors das Interesse verloren zu haben, Opel zu „verschleudern“. Um weiter eine Rolle als globaler Player spielen zu können, sei eine Verankerung auf dem europäischen Automarkt unerlässlich, lautete ein Argument. Die Technologie der deutschen Autobauer, ihre Kompetenz im Sektor der spritsparenden Mittelklassewagen seien unverzichtbar für die Entwicklung neuer Modelle, hieß es. Und nachdem Berlin auf Druck der EU zugesichert hatte, dass die Staatshilfe auch für andere Bieter gelte als für Magna, wuchs der Anreiz, Opel unter dem GM-Dach zu halten.
Den Ausschlag gab schließlich, dass der Konzern schneller und robuster aus der Insolvenz herausgegangen ist, als es ihm die Experten zugetraut hatten. Nicht zuletzt durch die Abwrackprämie „Cash for Clunkers“ stiegen die Absatzzahlen auf dem US-Markt – und die Klausel für eine Rückkaufoption wurde prompt getilgt.
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