Aktienmärkte: „2010 wird kein einfaches Jahr“
Finanzprofessor Josef Zechner hat die Krise vorhergesagt. Bei Aktien sieht er viel Potenzial. Noch. Für 2010 schraubt er die Erwartungen aber nach unten.
Wien.Die Finanzkrise kam nicht für alle österreichischen Marktteilnehmer überraschend. Das Wiener Institut für Quantitatives Asset Management (IQAM), das gemeinsam mit der Spängler KAG Anlagestrategien entwirft, hat bereits Anfang 2008 die Finanzkrise prognostiziert. In seiner Vorhersage hat das Institut den Zusammenbruch von Banken und den Einbruch auf den Aktienmärkten vorausgesagt. „Das wollten leider nur wenige glauben. Schließlich ist es zu dieser Zeit mit den Finanzmärkten noch steil bergauf gegangen“, sagt IQAM-Aufsichtsrat und Finanzwissenschaftler Josef Zechner im Gespräch mit der „Presse“.
Die Prognosen für die Aktienmärkte leitet das Institut von Konjunkturzyklusmodellen ab. Bisher haben sich die Szenarien als relativ genau erwiesen, auch für die ersten drei Quartale 2009. Da drängt sich die Frage auf, ob es mit den Aktienkursen weiter bergauf geht – oder ob es sich nur um eine Zwischenrallye handelt? „Die Aktienmärkte sind noch nicht überbewertet. Die Ertragschancen sind für 2009 noch groß“, sagt Zechner.
Die Spängler KAG setzt daher bei ihren Fonds weiterhin auf eine hohe Aktienquote. Vor der Finanzkrise hatte sie noch die Aktienquote stark nach unten gefahren. Die Performance aller Fonds lag 2008 zwar mit zehn Prozent im Minus, damit war sie aber besser als der Durchschnitt. Der MSCI World, der bekannteste weltweite Aktienindex, verlor 2008 mehr als 40 Prozent.
Ende der steilen Kursanstiege
Für 2010 schraubt Zechner die Erwartungen aber nach unten: „Das nächste Jahr wird nicht einfach.“ Das wirtschaftliche Wachstum werde schwächer ausfallen. „Schwächer, als nach Rezessionen üblich, daher werden auch die Aktienkurse deutlich schwächer ansteigen.“ Von einer neuen Blase spricht er zwar nicht – mit seiner Prognose ist er dennoch pessimistischer als die Fondsbranche. Laut einer Umfrage der Ratingagentur Feri unter 56 Fondsfirmen glauben 90 Prozent, dass gerade 2010 das „Jahr der Aktie“ wird. Zu viel Glauben sollte man der Branche aber ohnehin nicht schenken. Die meisten Fondsprofis haben schließlich auch die Finanzkrise verschlafen.
Institut setzt auf Indexfonds
Bei der Umsetzung der Aktienauswahl setzt IQAM verstärkt auf börsengehandelte Indexfonds (abgekürzt, ETF), mit denen man ganze Märkte abbilden kann. Dass aktiv gemanagte Aktienportfolios besser seien als passive, muss Zechner sagen, schließlich ist er Assetmanager. Aber: Die Strategie „Kaufen und schlafen gehen“, im Fachjargon „Buy & Hold“, hat tatsächlich stark an Glaubwürdigkeit verloren. Schließlich stehen die Kurse heute wieder auf dem Niveau von 1999.


