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Möbelmesse in Mailand: Die große Schau

06.05.2009 | 18:58 |  von Amelie Znidaric (Die Presse - Schaufenster)

Kunst = Design = Kunst. Neue Labels mitten in der Krise. Farbe und Flechtwerk. Holz, Leder und der schöne Schein. Neues von der Möbelmesse in Mailand.

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Wer ist Eugeni Quitllet? Die geheimnisvolle Ko-Autorenschaft, die einen Großteil der neuen Entwürfe von Altmeister Philippe Starck gekennzeichnet hat, hat wilde Spekulationen und Assoziationen zu Camille Claudel aufkommen lassen, der Schülerin, Muse und Geliebten des französischen Bildhauers Auguste Rodin. Des Rätsels Lösung ist eine andere, wenn auch nicht weniger bemerkenswert: Eugeni Quitllet ist ein junger Mann, den Starck an einem Strand in Formentera getroffen hat. Der junge Designer hat ihm seine Skizzen gezeigt, worauf ihn Starck angeblich sofort engagiert hat. Seitdem arbeiten die beiden eng zusammen, Quitllet ist denn auch der erste seiner zahlreichen Mitarbeiter, den Starck jemals namentlich erwähnt hat.

Abgesehen von solchen Fragen blieb es bei der heurigen Möbelmesse in Mailand eher mau. War es die Krise? Halbwegs leistbare Hotelzimmer gab es bis in den April hinein, die U-Bahnen waren nicht annähernd so voll wie in den Vorjahren, sogar Taxis waren zu bekommen (manchmal). Einer der wichtigsten Protagonisten der Möbelszene, die Herstellergruppe Poltrona Frau (ihr gehören Labels wie Cappellini und Alias), mietete heuer keinen Stand auf dem Messegelände, sondern eine (günstigere?) Ausstellungsfläche in der Zona Tortona, in der sich sonst eher die junge Off-Szene präsentiert. Insgesamt gab es weniger neue Entwürfe zu sehen als in den letzten Jahren, hinter vorgehaltener Hand klagten Designer über nicht fertiggestellte Prototypen und auf die lange Bank geschobene Projekte. Am konsequentesten war dabei der finnische Hersteller Artek: „One chair is enough“, proklamierte er und präsentierte tatsächlich nur einen einzigen Stuhl.

Neue Labels. So herrschte in den Hallen und Showrooms hauptsächlich gepflegte Langeweile, und von Trends zu sprechen ist schwierig. Deshalb hier lieber eine Zusammenfassung erwähnenswerter Neuigkeiten und anderer Auffälligkeiten. An erster Stelle sei gleich einmal berichtet, dass der Krise zum Trotz zwei spannende neue Labels an den Start gingen: „Moustache“ mit einem lustigen Bärtchenlogo und der Crème de la Crème der französischen Junggestalterszene. Und „Skitsch“, für das die Grande Dame der italienischen Designkritik, Cristina Morozzi, die Weltelite des Jungdesigns zusammengetrommelt hat: von Maarten Baas bis zu den (nicht mehr ganz so jungen) Campana-Brüdern.

Der Niederländer Baas hatte übrigens eine eigene Schau laufen, in der er Entwürfe präsentierte, die von kommerzieller Verwertbarkeit weit entfernt waren. „Real Time“ hieß  sie und beschäftigte sich mit dem Ablauf von Zeit. Auf dem Zifferblatt der „Grandfather’s Clock“ etwa ist der Schatten eines Menschen zu sehen, der mit Edding Minute für Minute die Zeiger der Uhr neu zeichnet und wieder wegwischt. Auch sonst verwischen sich die Grenzen zwischen Kunst und Design: So entwarf Olafur Eliasson für den Lichthersteller Zumtobel eine Leuchte – wie Jenny Holzer (gemeinsam mit Philippe Starck) für Flos. Dafür produzieren manche Designer nur für den (hochpreisigen) Sammlermarkt, etwa die Austrokroatin Dejana Kabiljo.

Der schöne Schein. Realitätsverweigerung ist eine legitime Antwort auf die Krise, wenn auch der Entstehungsprozess eines Möbelstücks in der Regel länger dauert, als wir nun schon über die Wirtschaftsflaute klagen. Designer spielen jedenfalls mit Schein und Sein, das schwedische Label Front etwa lässt Licht in seinen „Illuminated“-Teppich weben. Altmeister Gaetano Pesce zaubert mit seinem Sofa „Montanara“ ganze Naturlandschaften ins Wohnzimmer und sogar der Realist Jasper Morrison gibt sich der Illusion hin und druckt eine „Strohbespannung“ auf die Kunststoffsitzfläche seines „Trattoria“-Stuhls.

Ansonsten fällt die Antwort der Hersteller und Designer auf die Krise eher konservativ aus. Traditionelle Materialien wie Holz und Leder bestimmen das Bild, viele Re-editionen (etwa von Sergio Rodrigues bei ClassiCon) und Flechtwerk (da dafür gewagt der Outdoormöbel-Hersteller Dedon mit Norweger- und Schottenkaromustern). Und viel bunte Farbe. Der Alltag ist schließlich grau genug.

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