Die Party war laut. Und jung. Und vor der Tür stand eine riesige Traube von Menschen, die beim angesagtesten Fest des Abends auch dabei sein wollten. In einem Wort: Die Party war Diesel. Es ist keine Überraschung, dass der Mode- und Lifestylekonzern den Start seiner neuen Home Collection entsprechend in Szene zu setzen wusste. Wesentlich überraschender ist dagegen, wen er sich dazu ins Boot holte.
Denn während die meisten Modelabels ihre Wohnaccessoires und Möbel in Eigenregie basteln (so sehen sie dann auch aus), vertraute sich Diesel-Chef Renzo Rosso zwei echten Schwergewichten in der Designbranche an: dem Möbelproduzenten Moroso und dem Leuchtenhersteller Foscarini. Beide verfügen über enormes Know-how, beide gelten als Designavantgarde und beide sorgten so dafür, dass sich die Diesel-Home-Collection durchaus sehen lassen kann. (Anders als im Vorjahr, in dem man mit Bettwäsche erste Schritte in den
Living-Bereich wagte.)
Die Arbeitsteilung war schlicht: Diesel entwirft, Moroso und Foscarini produzieren. Der Unterschied zu normalem Licencing liegt darin, dass die Lizenznehmer – also die Hersteller – auch genannt werden, im Unterschied zum Beispiel zu L’Oréal, das die Diesel-Düfte herstellt. „Successful Living from Diesel with Foscarini“ heißt es dann etwa. Der Imagetransfer funktioniert in beide Richtungen: Diesel profitiert vom guten Ruf der beiden Hersteller und wird dementsprechend wohlwollend in der Designszene aufgenommen. Und Foscarini und Moroso erschließen sich mit Diesel neue, junge Zielgruppen abseits des Luxussegments, in dem sie beheimatet sind. Günstig sind die Teile aus der Diesel-Kollektion zwar immer noch nicht (die Leuchten kosten zwischen 250 und 750 Euro, die Möbel zwischen 290 und 4000 Euro), im Vergleich zu den restlichen Kollektionen von Foscarini und Moroso aber sind sie fast schon Schnäppchen.
Auf einem dieser Fast-schon-Schnäppchen, dem Nebula Nine Sofa, bezogen mit stonewashed Leinen, sitzt Renzo Rosso. Rundherum stehen die neuen Möbel und Leuchten auf Podesten – Bühnen sozusagen – wie Rockstars.
Warum eine Home Collection?
Das Wohnen wird sich sehr verändern, glaube ich. Wir haben es mit einer neuen Generation zu tun, einer jungen Generation, die viel Zeit zu Hause verbringt, am Computer etwa oder weil Freunde einander nach Hause einladen. Normalerweise geht man aus und zeigt mit seinem Styling, den Kleidern und Accessoires, wer man ist. Aber wenn man Leute zu sich nach Hause einlädt, möchte man auch mit seiner Wohnumgebung zeigen, wer man ist. Für gewöhnlich kauft man in seinem Leben zwei, vielleicht dreimal neue Möbel. Wir wollen diesen Prozess beschleunigen, den Menschen die Möglichkeit geben, ihr Haus genauso umzustylen wie sich selbst. So wie man andere Kleider anzieht, wenn man abends ausgeht, kann man auch zu Hause eine völlig neue Atmosphäre schaffen, mit einem neuen Bezug fürs Sofa oder einem anderen Lampenschirm.
Wie weit wollen Sie dabei gehen? Soll man komplett in Diesel wohnen?
Nein, wir können nicht alles machen. Küchen zum Beispiel oder Fliesen, das interessiert mich nicht. Wir wollen Dinge machen, mit denen man sein Zuhause schnell verändern kann. Eher Dekoration also.
Was darf man sich da vorstellen? Regale? Betten?
Nein, keine Betten. Aber Bettwäsche.
Planen Sie wie bei der Mode Sommer- und Winterkollektionen?
Nein. Wir sind mit einer großen Kollektion gestartet, mit 50 Teilen bei den Leuchten, 30 bei den Möbeln. Jetzt schauen wir einmal, wie der Markt reagiert, und dann werden wir jedes Jahr mit ein paar neuen Produkten auf den Markt kommen. Aber ich weiß noch nicht, mit wie vielen.
Einer Ihrer Slogans lautet: „Only the brave“ – „nur die Tapferen“. Was finden Sie an Foscarini und Moroso tapfer?
Ich finde es tapfer von ihnen, uns zu folgen und zu vertrauen. Daran zu glauben, dass hier etwas Wichtiges für die Zukunft entstehen kann.
Wie haben Sie Ihre Partner ausgesucht? Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich mehrere Firmen angesehen haben.
Meine Leute haben sich für jeden Bereich drei, vier, fünf Firmen angesehen, auch um zu schauen, ob sie zu uns passen. Die haben sie mir präsentiert, dann haben wir gewählt und uns mit ihnen zum Mittagessen getroffen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass Foscarini, Moroso und Zucchi (Hersteller für Bettwäsche, Anm.) unsere erste Wahl waren. Es war die große Liebe am Mittagstisch.
Liebe auf den ersten Blick sozusagen?
Wissen Sie, auf eine Art sind wir sehr simpel: Wir sind sehr leidenschaftlich. Wir sind keine Leute, die hinter dem Geld her sind, wir arbeiten, weil wir mögen, was wir tun. Das ist eine spezielle Haltung.
Sie betonen immer wieder, dass Diesel keine Luxus- sondern eine Premiummarke ist. Foscarini und Moroso hingegen sind ohne Zweifel Marken im High-End-Bereich. Ist das kein Widerspruch?
Ganz im Gegenteil. Bei uns klopfen ja auch die wichtigsten Luxusmarken an und fragen, ob wir nicht ihre Jeans produzieren können – einfach, weil wir darin ein unglaubliches Know-how besitzen. Und nun haben wir bei Foscarini und Moroso angeklopft, ebenfalls wegen ihres unglaublichen Know-how. Grundsätzlich glaube ich aber, dass die Statussymbole der Zukunft weniger luxuriös sein werden als heute. Der Konsument heutzutage kauft gern etwas Schönes, das mit viel Know-how hergestellt ist, aber er wird nicht mehr sein Geld für echten Luxus aus dem Fenster werfen. Ich bin ganz froh, dass wir jetzt diese Krise haben, weil wir uns in dieser völlig verrückten Welt wieder ein bisschen mehr einschränken werden. Wir geben zu viel Geld aus, jetzt können wir darüber nachdenken, wie wir dieses Geld sinnvoller ausgeben können, für soziale Belange zum Beispiel. Die Zukunft muss mehr Premium und weniger Luxus sein.
Renzo Rosso: Sofas neue Kleider
26.06.2009 | 21:26 | von Amelie Znidaric (Die Presse - Schaufenster)
Dass Modelabels "home collections" anbieten, ist nichts neues. Neu sind die Kooperationen, die sie dabei mit etablierten Möbelherstellern eingehen. So wie Diesel-Chef Renzo Rosso. Ein Gespräch.


Mode mag Möbel: Kooperationen
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