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Max Lamb: Glaskunde

23.09.2009 | 19:15 |  von Marlene Mayer (Die Presse - Schaufenster)

Zeit ist Geld. Auch in Sachen Design. Der Brite Max Lamb zeigt dies nun am Beispiel des Wiener Traditionsbetriebs Lobmeyr.

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Wenn Max Lamb über seinen Berufsstand spricht, windet er sich. Zu dem Satz „Ich bin Designer“ gehört immer auch ein „Aber“. Denn „was man gemeinhin mit Designern verbindet, das Hippe, besonders Schicke hat mit mir nicht so viel zu tun.“ Und weiter: „Ich entwerfe keinen Style. Meine Arbeit wird vom Prozess geführt. Ich experimentiere, entdecke.“ Lieber bezeichnet sich Lamb als „Macher“. Und wie er da vor einer Reihe von Gläsern sitzt, immer wieder mal eines in die Hand nimmt, wiegt und über Entstehung und Konzept spricht, nimmt man ihm das auch ab. Die Gläser, die er da hält, sind gerade erst entstanden. Und zwar in Zusammenarbeit mit dem Wiener Traditionsunternehmen Lobmeyr, das sich heuer im Rahmen der Reihe Passionswege der Vienna Design Week (1. bis 11. Oktober) mit dem jungen Designer aus Großbritannien eingelassen hat. Weil es bei den Passionswegen generell um temporäre Intervention externer Designer in Produktionsbetrieben und Verkaufsstätten geht, ist das Ergebnis eine Schau von außen. In Form einer Installation sollen die Designer die Unternehmen sichtbar machen. Auf ihre ganz eigene Art. Und mitunter entstehen dabei auch neue Produkte. Neue Gläser, etwa.

Manipulation und Preispolitik. Lamb hat mit diesem Projekt neues Terrain betreten. Wieder einmal. Bekannt ist er in erster Linie für seine Entwürfe aus Styropor (ja, den „bronze poly chair“ hat auch Brad Pitt irgendwo herumstehen) sowie aus Granit (19 Möbelstücke werden gerade in der Johnson Trading Gallery in London ausgestellt). Nun ist es also Glas. „In meiner Arbeit geht es immer darum, das Material zu manipulieren, herauszufinden, wie weit es dich gehen lässt. Das ist ein sehr intuitiver und auch feierlicher Prozess“, sagt er.

(c) Julia Stix Im Falle Lobmeyr nahm dieser Prozess also in den durchaus imposanten Schauräumen in der Wiener Kärntner Straße seinen Anfang. Und zwar mit Unverständnis. „Ich konnte die Preispolitik einfach nicht nachvollziehen“, so Lamb. „Erst als ich beim Produktionsprozess dabei war, bei meinen Besuchen in der Glasfabrik und der Werkstätte konnte ich den Aufwand und die Arbeit wertschätzen.“ Genau diesen Umstand will Lamb nun für das Passionswege-Publikum übersetzen, und zwar mit einer der Kernkompetenzen der Glasproduktion, der Gravur. Dafür hat Lamb das klassische Achtelglas von Lobmeyr hergenommen. Dieses wird nun im Rahmen der Installation live und in Form von kleinen Punkten graviert, der Preis steigt mit dem Aufwand – pro Kügelchen in 50-Cent-Schritten. Heißt: Eine Kugel am Glas gibt’s für 32,50 Euro und 641 Stück (etwa zweieinhalb Stunden Arbeitszeit) kosten eben 352,50 Euro. Neben der Gravur bedient Lamb auch die anderen Disziplinen der Glasfertigung – nämlich das Blasen und Schleifen. Auch hier setzt er auf transparente Preispolitik, zu jedem Objekt gibt es Information zu Materialkosten und Arbeitsaufwand. Lamb: „Ich zeige hier nur Möglichkeiten auf. Die Graveurin entscheidet etwa selbst, wo sie den Punkt am Glas setzt, letztendlich designt also sie. Ich brauche hier niemandem erzählen, wie man Gläser macht, aber ich kann einen unvoreingenommenen, frischen Blick von außen einbringen.“

Wider den Konsum. Und dieser Blick hat mit Neugierde zu tun. Diese hat Lamb, so sagt er, seit jeher sehr ernst genommen und konstruktiv einzusetzen versucht. Obwohl ihn das Neue, Unbekannte stark reizt, denkt er aber auch über Nachhaltigkeit nach. Dabei geht es nun nicht gerade um ökologische Materialien, Lamb propagiert eher eine generelle „Mäßigung im Kaufverhalten“. Er sagt: „Wichtig ist mir eine anhaltende Verbindung zwischen Mensch und Konsumobjekt. Ich bin gegen jedes übertriebene Kaufverhalten.Wenn man sich ein neues Produkt zulegt, sollte das wohlüberlegt sein.“
Und er setzt nach: „Man sollte nur kaufen, was man wirklich auf lange Sicht behalten will, die Dinge nicht ständig austauschen.“ Lamb ist also wieder beim Thema Wertschätzung angelangt. Und die kommt manchmal eben als klitzekleines Pünktchen daher.

TIPP
Passionswege Max Lamb bei J. & L. Lobmeyr. Im Rahmen der Vienna Design Week. Von 1. bis 11. Oktober, Kärntner Straße 26. www.viennadesignweek.at

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1 Kommentare
Gast: sunshine kid
07.11.2009 19:38
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totaler schwachsinn was der da verzapft und mit lobmayr produziert ... ein besserwisser ;-)