Wer im Südburgenland nach einem Rezept für Salzstangerl fragt, dem kann es passieren, dass er von jedem Ansprechpartner andere Anweisungen erhält. Nimm Butter. Nein, Schmalz. Nimm ein Ei. Aber geh, da gehört doch keins rein! So unterschiedlich die Zugänge zur Zubereitung von Salzstangerln im Burgenland sein können, so unterschiedlich sind die Einstellungen – und zwar überall – zum Ort ihres Entstehens, zur Küche. Manche Köche sind Showmaster, sie inszenieren das Essen (und manchmal sich), bekochen gern Freunde, Verwandte, Bekannte. Andere wollen Töpfe, Kochlöffel und Mixer am liebsten ganz aus ihrem Blickfeld verbannen, den Dritten ist vor allem der Gesundheitsaspekt wichtig. Und wiederum andere mögen es, wenn sich in ihrer Küche Altes, Bewährtes findet. Glücklicherweise gibt es für sie alle die passende Einrichtung – eine kleine Typologie in Sachen Köche und Küchen:
Let me entertain you!
Der Showkoch schwingt das Fleischthermometer, brutzelt Gemüse im Induktionswok, kredenzt edle Tropfen aus dem Weinkühler. Die Küche ist sein Prestigeobjekt – und Bühne zugleich. Und dazu steht er auch. Schließlich hat man ja genügend Geld für die adäquate Ausstattung auf den Tisch gelegt. „Küchen für 100.000 Euro sind keine Seltenheit“, sagt der Innenarchitekt Johann Will. Ein Betrag, für den andere ganze Wohnungen kaufen. Aber gespart wird gerade bei diesen Räumen nicht, weiß Will. Ganz im Gegenteil: Die Grundrisse werden immer größer – unter 30 Quadratmetern gehe oft gar nichts mehr, so Will. Da verzichtet man lieber auf die riesige Wohnlandschaft und sitzt stattdessen den ganzen Abend über in der Küche, in „Lounge Chairs“, und lacht, diskutiert. Und isst.
Sich austauschen, das kann man auch in den neuen Küchenmodellen, die Philippe Starck für „Miele Die Küche“ (ab September 2010 Warendorf) entworfen hat. Mitte September wurden vier Varianten vorgestellt, sie alle sollen den Kochbereich mit den anderen Wohnräumen verbinden. Denn das „Zuhause ist Liebe, Liebe ist Feuer, und Feuer ist der Mittelpunkt des Zuhauses“, sagt Starck. Wählen können Showköche zwischen bibliothekartigen Elementen (Modell „Library“), neobarocken Blöcken oder einer freistehenden Kücheninsel, die als Raumteiler mit Durchreiche fungiert (Modell „Duality“).
Ob Bücherküche oder Insellösung: Sitzt man länger beisammen, wird man schnell wieder hungrig. Den Nachschub holen Gastgeber neuerdings oft aus dem neuen „Trendraum“, einer eigens errichteten Kühlzelle. Oder gar aus der „Vorbereitungsküche“. „Ich habe gerade wieder eine Küche gebaut, die vorne einen ,Showbereich‘ hat und dahinter einen Vorbereitungsbereich“, erzählt Will. Dort kann man verstecken, was nicht so chic ist – so manche Maschine (Fleischwolf) oder auch Tätigkeiten (Fisch ausnehmen).
Übertreiben sollten die Showköche ihre Inszenierungen aber nicht. Schließlich kann es für die Gäste hart sein, den ganzen Abend über den Koch zu bewundern. Und allzu glatt und durchgestylt sollte man den Raum auch nicht gestalten, meint der Wiener Innenarchitekt Roland Woborsky. Ein „Spritzer Gemütlichkeit“ hingegen komme durchaus gut in der Küche an. Beispiel? Eine ganz einfache Sitzbank aus Holz, Leder- oder Textilelementen, erklärt Woborsky.
Und weg damit!
Mit ganz anderen Kochtypen hat Christian Kircher vom Wiener Architekturbüro smartvoll oft zu tun. Seine Kunden wollen keine „offensiven“, sondern „reduzierte“ Küchen. Küchen, die gar nicht als solche erkennbar sein müssen. Wie das geht? Erste Möglichkeit: Man ordert einen Küchenblock zum Falten. Je nach Lust, Laune und Hungergefühl öffnet oder schließt man das Möbel. Solche Modelle passen auch gut in knapp geschnittene Wohnungen, in denen eine konventionelle Küche schlichtweg zu viel Platz wegnehmen würde. Zweite Variante: Man gestaltet die Küche schon vorab so, dass sie erst gar nicht nach Kochen, Backen, Braten aussieht. So verliert sich etwa die dominante Kochplatte in Ceran- oder Glasoberflächen. Kircher: „Damit ist die Küche nicht die ganze Zeit präsent, sondern nur dann, wenn man sie haben will.“ Für ihn ist das „Understatement mit einer netten Nebenwirkung“: Die Veränderung führe immer wieder zu einem Wow!-Effekt. Diesen will Kircher auch mit seinem Modell „deep purple“ erzielen. Es strahlt in Weiß, unterbrochen von knalligem Lila, und wirkt dermaßen lifestylig, dass man eher an Szenebars denkt als an häusliche Heimeligkeit.
Ja, natürlich!
Szenebars schön und gut, aber bitte nicht zu Hause. Das denken jene Küchenbesitzer in spe, die zu Gregor Kreuzhuber kommen, Planer und Verkaufsleiter bei Team 7. Denn sie buddeln daheim lieber im Gemüsegarten, kochen biologisch – und wollen dementsprechend naturbelassene Küchen. Das heißt aber nicht, dass dort nur Müsli, Tofu und Brennnesseltee verstaut werden. Ganz im Gegenteil: Es geht längst nicht mehr so streng zu – und das sieht man dann auch.
Die Küche darf weiß lackiert sein oder eine schwarze Glasfront haben. Dem Vollholz wird deshalb aber nicht der Rang abgesprochen: Es ist und bleibt Hauptakteur in der Küche. Nicht zuletzt deshalb greifen Besitzer moderner, puristischer Häuser immer öfter zu Naturmaterialien, versichert Kreuzhuber: „Denn auch in solchen Häusern braucht man etwas Warmes im Inneren.“ Auch nicht ungewöhnlich: der Wunsch nach einem Herd wie früher, nach einem, für den man selbst das Feuer macht. Ausgefallen erschien Kreuzhuber allerdings der Wunsch einer zehnköpfigen Familie. Diese verzichtete gänzlich auf Regale oder Kästen fürs Geschirr. Zwei große Spülmaschinen – die eine zum Reinräumen, die andere zum Rausnehmen von Tellern, Töpfen und Häferln – sollten es sein, alles andere wäre ohnehin unnötig.
Marke Eigenbau
Planer, Architekten, Stardesigner – sie alle kommen dem Wiener Mediengestalter Stephan Scharf nicht in die Küche. Wie der Rest der Wohnung strahlt sie Bobo-Schick aus: weiße Resopalkästen im Stil der 50er-Jahre, ein altes Espressoschild und ein ausrangierter Kaffeehaustisch vom Trödler. Alles ein bisschen zerkratzt, mit Patina. „Ich mag Gebrauchsspuren“, sagt Scharf. Heute seien die Sachen ja nach kürzester Zeit wertlos, seufzt er und greift zu seiner Espressomaschine. Sie hält schon lange durch: Seit 50 Jahren wird die „La Pavon Euro Piccolina“-Handhebelmaschine in derselben Machart gebaut. Und auch wenn sie viel Zuwendung braucht, liebt Scharf die ersteigerte Oldtimer-Kaffeemaschine. Nicht zuletzt, weil man die Stärke des Frühstückskaffees selbst wählen kann. Genau das Selbermachen spricht Scharf nämlich an. Nicht nur bei Espresso, sondern insgesamt. Er motzt sein Sammelsurium immer wieder auf: Da gibt es einen selbstgebastelten iPod-Halter an der Wand (mit Gazpacho-Rezept) oder ein Küchenkästchen, das er mit Tafellack bestrichen hat. Dort schreibt er hin, was ihn gerade bewegt. Zum Beispiel „Salz-
stangerl kaufen!“


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