Schneeregen, Finanzkrise und Fastenzeit
sind nur drei gute Gründe, ein Restaurant aufzusuchen, in dem man sonst nur schwer einen guten Platz bekommt. Und der ist beim vergangene Woche frequentierten Lokal an der Bar des Hidori: Dort hat man den perfekten Blick auf die offene Küche und die Zubereitung der japanischen Gerichte, die vermutlich das hohe Attribut „authentisch“ verdienen. Genau weiß ich das nicht, da sich das einjährige Praktikum in Japans Küchen, das der durchschnittliche Gourmetschwätzer offenbar absolviert hat, für mich nicht ausgegangen ist. Also wenn etwa Hühnermägen auf die kleinen Yakitori aufgespießt oder sonstige nicht ganz alltägliche Tierteile zubereitet werden, hat das schon was. Dass sie dort auch gegrillt werden, sorgt für Atmosphäre und hilft der lokalen Textilreinigungsbranche. Noch eine Taxifahrt, und fertig ist das kleine Konjunkturpaket.
Dass ich ins Hidori gegangen bin, verdanke ich Denise Amann, mit der ich einen Freund/Bekannten teilen darf. Als ich deren Noi beschrieb, gab es die leise Anmerkung, ich hätte das Lokal zwecks Pointe nicht zu 100 Prozent liebevoll fair beschrieben (natürlich eine haltlose Unterstellung). Jedenfalls geht Amann gerne ins Hidori – nicht ganz unlogisch, denn das Lokal ähnelt optisch ihrem eigenen: Neben der offenen Küche wäre da einmal die Patina und vor allem die Patina. An der Bar des Hidori gibt es dann die großartigen Spieße in allen erdenklichen Variationen – eben die sehr bissfesten Mägen, stark gewürzte Rindsleber und danach fast erholsam braves Hühnerfleisch. Auch gibt es großartige Geschichten wie Algenzeug oder die schon marinierten Bohnen. Und eigentlich wollte ich darüber gar keine Zeile verlieren, aber das wäre ungerecht: Ja, es gibt auch Sushi. In Wien wird das Rohe-Fisch-Gericht derart unter seinem Wert geschlagen, dass Japan seinen Botschafter für mindestens eine Woche abberufen müsste. Aber hier schmeckt der Thunfisch wirklich exzellent, Qualität und Fettgehalt sind enorm, Tierschützer könnten unter Umständen ein bisschen unrund werden, wenn der Riesenfisch auf dem Brett zerteilt wird. Aber ich gehe ja auch nicht mit Frau Amann essen, sondern mit Hühnermägen-Freiwilligen.
Hidori
25.02.2009 | 20:17 | Von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Derb und authentisch (?) essen im Hidori: Besser als hier verzehrt man nirgendwo Hühnermagen und Thunfischschnitzel.
TIPP
HidoriWien 7, Burggasse 89, Tel.: 01/523 39 00, Mo bis Sa, 18 bis 24 Uhr


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