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Samarkand

22.04.2009 | 19:11 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Usbekisch Essen mit meinem kulinarischen Blindenhund: Ziemlich viele Nudeln auf den Tellern.

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Neuerdings muss ich noch häufiger essen gehen. Nicht nur, weil ich so hungrig bin und für befreundete Medien wie etwa „Die Presse am Sonntag“ schreiben darf, sondern, weil ich immer schwerer Lokale finde, die in dieser Kolumne Eingang finden. Es sollten halbwegs neue oder interessante Lokale sein, über die ich irgendeine Geschichte erzählen kann. (Oder über mich in dem Lokal.) Im Idealfall soll es auch nicht eine Gaststätte sein, die von den geschätzten Gastrokritikern – Kollegen traue ich mich kaum zu schreiben – im Rudel besucht und beschrieben wird. Also: Das von außen unscheinbare Restaurant Samarkand liegt an der wenig belebten Ecke Opernring/Eschenbachgasse.

„Einziges usbekisches Restaurant in Wien“ steht trotzig auf einem Schild vor der Tür. Klingt wie „Letzte Tankstelle vor der Grenze“, entspricht aber vermutlich der Wahrheit. Während die genannten Kollegen – jetzt ist es mir doch leicht von der Tastatur gegangen – diese Küche sicher blind erkennen, habe ich mir einen samarkandkundigen Reisenden zwecks Navigation durch die Speisekarte mitgenommen, einen usbekischen Blindenhund.

Die Inneneinrichtung sei im usbekischen Vergleich edel, ein bisschen ostreich, wie die nette Version von neureich lautet. Das Serviceteam verbringt den halben Tag hoffentlich in der Schule, der junge Kellner lächelt kurz, als er erzählt, dass er aus Moskau komme. Wir essen Samsa, klingt wie eine ­Nudelvorspeise, ist aber ein mit Faschiertem gefüllter guter Brotteig. Der Authentizitätszeuge isst begeistert. Jetzt kommen die Nudeln, die hier Laghman heißen: geschnittene Bandnudeln mit Lamm, Paradeisern, Wurzelzeug und Suppe, schmecken fast italienisch, nur eben von der Nonna für die Kinder, der Mann gegenüber lächelt noch höflich. Danach kommen noch einmal Nudeln namens Manti, wieder gefüllt mit Fleisch: neutral und irgendwie wie vom guten Chinesen ums Eck.

„Danke“, mein Wahl­usbeke schüttelt empört den Kopf. Es folgt Plov, ge­bratener Reis mit Karotten und Lammfleisch und – „Rosinen?“, vermute ich. „Blödsinn“, sagt der Samarkand-Kenner und hustet, weil das ziemlich trocken schmeckt, wie ich anmerke. Das nächste Mal soll ich doch wieder besser mit Meinesgleichen essen gehen. Und die Rechnung zahlt er sich selbst. Gut.

INFO
Samarkand, 1010 Wien, Eschenbachgasse 4, Tel.: 01/967 22 99, Mo–So, 18–24


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