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Rathauskeller

30.04.2009 | 19:50 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Essen im Rathauskeller bei Helmut Österreicher. Ich versuche, alles positiv zu sehen. Es bleibt beim Versuch.

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Helmut Österreicher im Rathauskeller. Manchmal könnte ich es mir sehr einfach machen. Da kocht ein großer alter Star im Drüberstreuen im Rathauskeller, in jenen Kitsch-Mittelalter-Historismus-Hallen für japanische Touristen, die der oberösterreichischen Raiffeisen-Gruppe gehören, deren Chef zwar weiter weg als Christian Konrad sitzt, aber ein ähnliches Verhältnis zu Macht und Ego pflegt. Besser geht es eigentlich nicht, könnte sich ein gesellschaftspolitischer Restaurantkritiker denken.

Aber irgendwie ist es eben so billig, und daher ging ich mit dem festen Plan in die Rathaushöhlen, Positives zu vermerken. Mir fiel etwa auf, wie groß schon dieser kleine Felsendom ist, da kann man sich richtig verlaufen, wenn beim Empfang gerade niemand steht. Und Platz war auch noch viel, der Ruf des Herrn Österreichers muss sich offenbar erst herumsprechen. Die unauffällig pos-tierten Kellner sind aber besser informiert: „Gehören Sie zu den Lehrern? Zum Stadtschulrat?“ „Nein“, sage ich grundlos panisch und flüchte aus dem leeren Rittersaal, im Salon Ziehrer fühle ich mich gleich wohler.

(c) Die Presse (Stix) Tageslicht braucht hier keiner, die dunkel-schwarze Möblierung – nein, glauben Sie mir, das ist kein Pleonasmus – könnte auch ein edles China-Restaurant zieren. (Ich halte mein Versprechen.) Ein Gericht leider nicht, der Zwiebelrostbraten beleidigt jeden Chinesen, Ziehrer und mich. So mehlig-pampig schafft den Saft sonst wohl nur ein böser Hüttenwirt, der Zwiebelberg darüber kann das auch nicht verbergen. Da muss der Rest zwangsläufig besser abschneiden: Dass der geschmacklich passable pochierte Fisch schon vor einiger Zeit pochiert wurde, fällt kaum auf. Das Lamm wurde frisch rosa gebraten, schmeckt mürbe und gut, hätte somit auf den Bärlauchgatsch verzichten können. Der Kellner sagt „Sodala“ beim Einstellen der Teller. Oder war es schon freudiges Abräumen? Der Wiener Wein fließt, die Japaner am Nebentisch fotografieren derweilen ihr Essen. Das muss ein Unterhaltungsprogramm für die neue Zielgruppe Wiener Gäste sein, real kann’s das gar nicht geben.

Ich habe mich jedenfalls ernsthaft bemüht. Herr Österreicher war vermutlich an dem Abend einfach nicht da. Sodala.

INFO
Wiener Rathauskeller, 1010, Rathauspl. 1, Tel.: 01/405 12 10, Mo–Sa 11.30–15, 18–23


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