Modeerscheinungen und verwandte Phänomene sind mir zuwider: Wenn alle wegen Obama plötzlich die USA lieb haben. Oder wenn Burger und Fast Food reißenden Absatz finden, Stichwort Sparen in der Krise. Aber bevor ich zu den Drei Husaren mit John McCain gehe (auf die gleichnamigen Pommes frites etwa), muss ich zugeben, dass die Idee, einen Burger-Laden in Wien zu eröffnen, nicht schlecht ist. Denn hier gibt es zu wenig – die Ausnahme Würstelstand bestätigt die Regel – Take-away-Imbiss-Kultur. Die „Burgermeister“, die sich in „Burgermacher“ umbenennen mussten, machten das mit Slow-Food-Burgern vor, wobei sie das ziemlich wörtlich nehmen.
Nun wurde Smokey’s bei der Oper eröffnet.Die Burger gibt es in drei Größen, mit gebratenen Erdäpfeln und Salat. Den Bun muss ich für seine Konsistenz (kein Gummi, und das in Wien) loben, ebenso das breite Angebot der Saucen, die „home-made cooking“ sind, wie die Amerikaner am Nebentisch sagen würden. Die Fleischqualität ist toll, wie ich Burger-Amateur sofort schmecke, da das Laberl trotz der „Medium“-Bestellung recht roh serviert wird. Burger-Esser mögen das lieber, den süßlichen Sweet-Whiskey-Chicken-Burger hingegen eher nicht. Auf jeden Fall alles sehr erfreulich.
Das trifft theoretisch auch auf das Lokal in der nahen Weihburggasse zu. Dort gibt es einen neuen Salat-Take-away im Eissalon-Stil – auf die Idee kam die nette Eigentümerin dank Vorbilder in New York.
Man kann aus vielen verschiedenen Blattsalaten wählen, in unzähligen Schalen lagern die unglaublichsten Zutaten, die, und das ist der Hauptkritikpunkt, mehr Augenmerk verdienten. Dass ein Salat namens „Marchfelder“ dieser Tage mit wenigen, aber dafür inferioren Spargeln ausgestattet wird und dafür mit Karotten, Champignons (?), Brokkoli (??) und Cheddarkäse (???) und Co. misshandelt wird, ist unverständlich.
Das erzeugt geschmacklich jenen Effekt, den man erzielt, wenn beim Buffet Happen aus zehn verschiedenen Töpfen auf einem einzigen Teller landen. Die Portionen machen halbe Büros satt. Dabei schmeckt die Thai-Gemüsesuppe wirklich gut, ein bisschen Salatkonzentration, und alles wird gut. Jetzt brauchen wir nur noch ein echtes Steak-House für den Texaner in uns.
Smokey’s
06.05.2009 | 18:44 | von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Zwei US-Ideen wurden nach Wien importiert. Das ist sympathisch, nur in der Umsetzung noch verbesserungswürdig.
INFO
Smokey’s, Wien 1, Walfischgasse 4c, Tel.: 01/310 54 39. Saladroom, Wien 1, Weihburggasse 18, Tel.: 01/512 94 01
4 Kommentare
"Steak House für den Texaner in uns"
Waren Sie schon einmal im Jolly Ox im 2. Bezirk?Hat diesem Texaner gut gefallen.
Die Amerikaner am Nebentisch
Würden "home cooking" sagen.Ein Amerikaner


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