Das Beste an Berlin sind die vielen Thai-Restaurants. Eine derartig apodiktische Aussage würde ich nie wagen, deswegen habe ich sie einfach erfunden. Dass Wien zu wenig thailändische Imbisse hat, steht fest. Dabei wäre es einfach und erfolgversprechend, statt fetten Lachs auf weichen Reis zu legen oder geschnetzeltes Fleisch ungeklärter Herkunft in Fladenbrote zu stecken, frische Thai-Gerichte in einer Garküche anzubieten. Doch es gibt kleine Zeichen der Hoffnung: Auf der Gumpendorfer Straße wurde vor Kurzem ein unkomplizierter Imbiss eröffnet. Jedes Gericht wird im Thai Isaan Kitchen frisch zubereitet, was man nach der Bestellung in der offenen Küche beobachten kann. Der quirlige Herr, der die Bestellung weitergibt, ist dank des steten Zustroms junger Anrainer und Nachbarn der Panikattacke nahe. Die beiden Köchinnen lassen sich zum Glück nie aus der Ruhe bringen.
Das ist so furchtbar unauthentisch. Huch! Apropos: Das Wort „authentisch“ trifft auch auf Uangprai Gumpoldsberger zu. Die Seiltänzerin und ehemalige Betreiberin einer Garküche in Nordthailand lernte in Zypern einen österreichischen UNO-Soldaten kennen und heiratete ihn. Nun steht sie im meistbesprochenen Kellerlokal der Stadt, dem Sri Thai Imbiss. Die meist freundliche, manchmal grantige Chefin serviert hier Thai-Gerichte zum Weinen. Nicht nur vor Glück, sondern vor Schärfe. Der gehackte Tintenfisch und das Rindfleisch – letzte Seite der Speisekarte! – sind genial. In beiden Lokalen geht es zu wie zu Hause am Herd: Da wird die Suppe schon einmal vom großen Löffel gekostet, nicht lange geseiht oder püriert. Das Beste: Der eine Imbiss ist zu Hause ums Eck, der andere ums Eck der Redaktion. Damit Sie sehen, dass ich auch Glück habe!


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