Manchmal ist es ein Fehler, zu professionell zu sein. Oder besser: zu professionell in der Selbstvermarktung. Die Existenz eines neuen Café-Restaurants namens Spoons am Fuß des Donauturms wäre eventuell an dieser Stelle unberücksichtigt geblieben. Doch PR-Agentur, Aussendungen und ein Fest mit den üblichen verdächtigen Prominenten erzeugten eine gewisse Neugierde und Erwartungshaltung. Der Name Spoons schraubt diese noch weiter hinauf, immerhin gibt es fast überall ein schönes und angesagtes Lokal, das Löffel heißt; in dem in New York sitzt man gut, in der Londoner Variante auch nett, und das Salzburger Spoons mit einer unkomplizierten asiatischen Küche ist auch nicht von schlechten Eltern. Vater ist immerhin der Gourmetwilderer und Koch mit Meinung Sepp Schellhorn. Die Donaustädter Variante beruft sich auf der Homepage auf die internationalen Vorbilder in London, Paris, New York und Berlin und will „österreichische Gastfreundschaft mit moderner Küche und ansprechendem Design vereinen“.
Am Donauturm bedeutet das gefälligen Allerwelts-Lounge-Modernismus von der Stange. Die „wunderbare Gartenterrasse bietet Ruhe und Entspannung“, so die Eigenbeschreibung, „wunderbare“ stelle ich mir anders vor, nämlich nicht mit derartigem Plastikmobiliar, aber bitte. Vielleicht schafft es Küchenchef Chris-tian Hölbling, durch seine „österreichischen Schmankerln mit internationalem Kick“ zu überzeugen. Auf den ersten Blick signalisiert die Karte zumindest nicht das Gegenteil: Vom Lavasteingrill kommen Steaks und Co. mit Gemüse. Der Herr Ober schaut drein wie ein solcher und schafft es, das „Moment“ auf ein „Entschuldigung?“ und Winken so zu intonieren, dass wir sofort ein schlechtes Gewissen haben, beim Eintippen in den Handcomputer gestört zu haben. Das scheint so kompliziert zu sein, dass er besser gar nicht fragt, wie wir das Hochlandbeiried mit Rosmarinjus und das Rib-eye-Steak gerne hätten. Es kommt dann sehr gebraten und zäh, der Rosmarinjus fehlt beim Stück Fleisch leider ebenso wie beim angeblich geschmorten Balsamico-Honiggemüse. Einziges passables Gericht: das Beef Tatar. Das gibt jetzt vielleicht eine begeisterte Aussendung ab: „Kritiker vom wunderbar komponierten Rindfleischgenuss begeistert!“


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