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Geschmacksfrage: Korso

04.06.2009 | 20:22 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Wie schmeckt es eigentlich ein Jahr nach Gerers Abschied aus dem Korso? Anders, aber ziemlich gut.

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Der Mann war nicht zu beneiden. Mit 26 Jahren als Nachfolger von Reinhard Gerer anzutreten gehört nicht zu den einfachsten Jobs. Immerhin stand Gerer für Korso und umgekehrt. Außerdem konnten sich Kritiker leicht einen Namen machen, wenn sie das Denkmal negativ behandelten, um nicht explizit zu werden.

Ebenso klassisch wienerisch war die Verfahrensweise mit dem Neuen, der nicht an mangelndem Selbstbewusstsein leidet: Als Gerald Angelmahr als Nachfolger für die großen Fußstapfen vorgestellt wurde und auch mit wenig Gemüse chic seine Gerichte garnierte, ging es nicht mehr um Details. Er bekam eine ordentliche Tracht schriftlicher Prügel.

Schonfrist bekam er keine. Nur an dieser Stelle hielt ich mich, vermutlich aus Zufall, zurück. Ich schrieb nicht, dass ich für Elixiere, wie er seine Gemüse-Obst-Fonds nannte, lieber in die Apotheke gehe oder mir eine Saftmaschine kaufe. Und auch nicht, dass ich dort gut gegessen habe. Zumindest besser als bei 99 Prozent der bejubelten Restauranteröffnungen des Jahres. Aber bitte!

Essen ging danach offenbar kaum einer mehr hin, geschrieben wurde nichts mehr. Hotelrestaurants waren schon immer für Touristen. Unter die hatte sich aber der wortgewaltige Kritiker der „FAZ am Sonntag“ gemischt und einen fast hymnischen Bericht über das Korso verfasst. Vielleicht kennt er ja die Vorgeschichte nicht. Ich mag die und bin daher sofort nachessen gegangen, als erster Gast an einem sehr frühen Donnerstagabend. „Die Reservierungen kommen heute alle erst um halb neun“, meinte der Kellner, der schon mit Gerer gearbeitet hatte. Als einziger Gast konnte ich unter vier Kellnern wählen. (Etwa, indem ich vage fragend in alle Richtungen schaute, um alle auf einmal in Bewegung zu setzen.)

(c) Julia Stix In der Küche ging es vermutlich ähnlich zu, das Ergebnis war dieses eine Mal jedenfalls – und das kommt in meinem Wortschatz sonst nicht vor – sensa­tionell. Flusskrebse mit Frühlingskräutern auf dünn geschnittenem Kalbskopf: Aber hallo, das schmeckt frisch und schön derb zugleich. Der echte Höhepunkt: ein Niedergar-Tafelspitz, der rosa auf der Zunge zergeht, dazu bissfeste Artischocken und genug Hülsenfrüchte für Erbsenzähler. Die haben es dort überhaupt schwer: Billig ist das alles nicht. Nur schöner wird das Korso nicht, aber der junge Mann wird es mit seiner klaren Küche weit bringen. Später dann.


INFO
Korso, Wien 1, Mahlerstraße 2, Tel.: 01/515 16-546, Mo bis So 18 bis 1 Uhr

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