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Geschmacksfrage: Aurelius

27.08.2009 | 19:53 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Es war eine harte Zeit. Zum Glück darf ich jetzt wieder zum Kroaten. Nur eben ein Stück weiter.

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Es war ein bisschen wie beim Pawlow’schen Hund. Zu Beginn der sommerlichen „Schaufenster“-Pause ging ich weiter in neue Lokale, bestellte die Speisekarte rauf und runter, notierte mir Gemeinheiten und Details der Inneneinrichtung, um die üblichen egozentrischen Zeilen zu schreiben. Nur dass sie keiner druckte. Nach einiger Zeit gewöhnte ich mich daran, jammerte, dass meine Kolumne niemandem fehle. Am Schluss hätte ich mich sogar über einen Leserbrief mit dem Satz „Seit Nowak nicht über Restaurants schreibt, kann ich das seit 1848 bestehende Familienabonnement wieder aufnehmen“ gefreut. Aber nicht mal das. Dann begriff ich endlich, dass ich privat essen gehen kann, war bei Hanner, in der Blauen Gans, im Salzburger Magazin, bei Obauers und im Eisvogel im Prater. Wie das war? Hallo? Privat eben.

(c) Stix Zurück in den Arbeitsalltag. Letzte Woche hat das Aurelius in der Wiener Marc-Aurel-Straße offiziell eröffnet. Ein kroatisches Fischlokal, das vorher ein mediterranes Fischlokal (Cinque Terre) war, aber nun zwei Häuser weiter übersiedelt ist und sich gewaltig vergrößert hat. Zwischen den beiden Adressen liegt übrigens das Kornat, auch ein kroatisches Fischlokal. Ich habe die Geschichte nicht ganz verstanden, aber Neno Treselj hat sich ein neues Lokal gewünscht, aus dem alten will er einen Delikatessenladen machen. Drinnen ist viel Holz im – nennen wir ihn – kroatischen Aspen-Stil.

Draußen wäre mir nicht aufgefallen, dass ich überhaupt woanders sitze, zumal Kellnerin und Kellner die alten von nebenan sind. Aber, und daher die Erwähnung: Die Küche überzeugt wirklich. (Oder ich bin schon so aus der Übung.) Der Höhepunkt: Ein dicker Pulpo-Arm auf Salat (und tendenziell geschmacklosem Avocadotatar) entpuppt sich als mürbes, geschmacklich großartiges Idealkrakenteil. Der See­teufel danach hat Unterstützung von knackigen Garnelen und schlägt sich selbst ganz gut, nicht zu fest, aber eben schön fleischig. Das knusprige Goldbrassenfilet war tadellos, nur die getrüffelte Jakobs­muschel würde mich das Fürchten lehren: Trüffelöl und St. Jacques, zwei Inflationsgeier mit besserem Namen als Geschmack. Die Weinkarte hat aber genug auf Lager, um das zu verdängen. Und die Hausnummer merke ich mir auch so nie im Leben.

INFO
Aurelius, Marc-Aurel-Straße 8, 1010 Wien, 01/535 55 24, Mo–Sa: 11.30–14.30,18–23 Uhr


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