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Geschmacksfrage: Hungerberg

17.09.2009 | 16:35 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Endlich haben Döblings Söhne passende Lokale in der Nähe. Das Hungerberg ist dafür gar nicht so schlecht.

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Das Phänomen ist alt und unbegreiflich: Ausgerechnet in Wien-Döbling existieren wenige gute Restaurants. Damit ist der Bezirk zwar nicht allein, aber die Dichte der potenziellen Restaurantbesucher sollte – glaubt man an einen Zusammenhang mit hohem Einkommen – eigentlich das Gegenteil bewirken. Schon klar, zum Essen fährt man ins Zentrum, zu Hause soll es, bitte schön, ruhig bleiben. Und/Oder: Deswegen bleibt der Kontostand eben hoch, nur die dummen Innenstädter, also die innerhalb des Gürtels, bringen ihr ganzes Geld zu den Wirten. Außerdem gibt es doch Heurige, die mit ihrem unverfälschten Genuss jeden schicken Italiener links liegen lassen! Wer das glaubt, war noch nie mit dem Reisebus in Grinzing. Jedenfalls gibt es neuerdings neue Lokale im 19. Bezirk, die im Gegensatz zu Heurigen und den diversen Szenebierlokalen – auch so ein Phänomen – kulinarisch mehr bieten wollen als kaltes und warmes Brot. Mit Betonung auf wollen.

(c) Julia Stix Da wäre einmal das neue Dots in Nussdorf, das für die vielen Polospieler der näheren Umgebung zum Ausführen von Shirt, Kragen und Partner geschaffen wurde. Dort gibt es Sushi mit Liptauer; ich muss nicht alles ausprobieren. In der Grinzinger Allee hat seit Kurzem das Hungerberg offen. Früher war hier ein altmodischer Italiener mit singendem Wirt und schockgefrorenem Ambiente. Die neuen jungen Betreiber – Achtung: Hobby! – gehen sicher auch ins Dots und waren offenbar lange auf dieser Kärntner Fête blanche, so weiß, wie die Lounge ist.
(Kann irgendwer bald wieder nach London, Paris, Tokio fliegen und einen neuen Einrichtungstrend mitbringen, danke!) Draußen lümmelt man auf schicken Sofas, drin hängt gute Kunst. Die Kellnerin ist umwerfend freundlich, der Andrang groß. Die Küche will ein breites Spektrum abdecken. Der karibische Hühnersalat verspricht ein bisschen zu viel, die Hühnerstücke wurden in Kokospanier gebacken, Eisbergsalat gehört wohl nicht hinein, klingt aber eben wie Hungerberg. Dank Mango schmeckt er aber frisch und gut. Das kann man vom Burger leider nicht behaupten, das Fleischlaibchen, wie man hier sagt, war zu lange in der Pfanne. Der Espresso versöhnt uns Söhne wieder: schön dick, cremig und herb. Denn das Hungerberg will auch ein Café sein und noch viel mehr. Wie so vieles hier.



INFO
d.a.s. Hungerberg, Grinzinger Allee 30, Wien 19, 01/320 23 17, täglich 7–1 Uhr.

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