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Geschmacksfrage: Camelot House

23.09.2009 | 19:18 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Ritteressen am Wiener Naschmarkt: Klingt schlimm, schmeckt schlimm, ist schlimm. Ein idealer Leichenschmaus.

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Wie tief kann man als Restaurantkritiker sinken? Am Naschmarkt, dem ehemaligen Markt für Lebensmittel und -art, den einst Wiener bevölkerten, hat ein Ritter-Lokal eröffnet. An der Stelle eines riesigen Sexshops steht nun das Camelot: ein gewaltiges Ritterburg-Imitat mit Sälen, Kerkertüren und passend gekleidetem Servicepersonal. Der Andrang hält sich bisher in Grenzen, ein lustig gewandetes Paar soll wie in den Touristenvierteln mancher Städte Gäste zum Besuch animieren. Das führt hier zum Effekt, dass die lokalen Passanten fluchtartig ihren Schritt beschleunigen, nur ich muss hinein. Ich darf zwischen ein paar Dutzend Bänken und Tafeln wählen, es ist wider Erwarten nicht alles aus Plastik. Mit dem Aschenbecher kann ich mich notfalls selbst erschlagen. Es schaut aus wie eine Mischung aus einem dieser angeblich irischen Retortenpubs und dem Wiener Prater 2009.

Der unfassbar freundliche Kellner – an dieser Stelle bekomme ich sofort ein schlechtes Gewissen! – berichtet unschuldig, dass Wien ein solches Lokal fehle, in Ungarn funktioniere das nämlich gut. (Später im Internet der Beweis: Auch in Rumänien und Ohio gibt es solche Lokale unter diesem Namen. Die Küche bietet ganze Schweine, Rinder und sonstige Veganer-Geisterbahn-Gerichte. Hier tragen sie auch noch lustige Namen). Das völlig überwürzte Beef Tatar (17,30 Euro) heißt „Barbarenfest“ und lässt zum Glück oder leider keinen Schluss auf die Fleischqualität zu. Die Gulaschsuppe heißt lyrisch „Schicksal des entlaufenen Kalbes“ (6,90 Euro).

(c) Julia Stix Wir versuchen das „Gewicht der Hexe“, eine halbe gebratene Ente (16,50 Euro), die zweite Hälfte gibt es auf Haus dazu, vermutlich muss sie weg. Zur kleinen Ehrenrettung sei erwähnt: Gut ist sie zwar nicht, aber knusprig und geschmacklich auch nicht schlecht. Bei manchen Chinesen gibt es schlimmere. Die Namensgebung „Merlins Scherz“ (24,70 Euro!!) entpuppt sich als treffend: Die scharf gewürzten Lungenbratenstreifen sind mehr ein Geschnetzeltes, nur eben scharf. Vielleicht der passende Leichenschmaus für den Naschmarkt! Das Bier ist das Beste hier und macht auch satt. In Zukunft werde ich heruntergekommene Sexshops mittels Spenden unterstützen, man weiß nie, was nachkommt. Für mich kann es im Herbst nur noch bergauf gehen.

INFO
Camelot House Restaurant, 1040, Rechte Wienzeile 21, 01/585 22 22, täglich 12 bis 12

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1 Kommentare
Gast: mucho_maas
29.09.2009 21:01
0 0

beste restaurantkritk

ever ! ;-)