In der Josefstadt gibt es zu viele Klischees, über Hofratswitwen und ihre ebenso zeitlosen Lieblingskaffees. Oder über Studenten aus den Bundesländern, die ihre natürliche Umgebung in Form von schockgefrorenen Lokalen wie dem Tunnel finden. Gegenüber einem der Studentenheime des Viertels hat nun ein kleines Restaurant eröffnet, in dem zuvor ein moderner Designvegetarier chancenlos war. Dessen Überlebenskampf war in etwa so aussichtsreich wie der eines Heurigen am Wiener Kohlmarkt oder der eines Ritterburglokals am Naschmarkt. Die Inneneinrichtung des Restaurants veränderte Gerhard Bernhauer kaum, und dennoch ist er jeden Abend bis auf den letzten Platz ausreserviert – was auch daran liegt, dass es gerade mal ein Dutzend davon gibt. Man sitzt recht eng, hört und sieht jedes Detail am Nachbartisch, aber nicht jeder Gast schwingt so lautstarke Reden wie ich.
Da steht der Fisch im Vordergrund und bekommt nur brave, perfekte Begleiter verpasst, etwa ein auf den Punkt gegarter Eismeersaibling mit Selleriecreme und Spinat, auch der Lachs darf sich geschmacklich voll entfalten. Ebenso das Filetsteak, das schlicht und rosa der einzige Star auf dem Teller sein darf. Danach ein bisschen Basilikum-Eis, das schon ein wenig Retrocharme ausstrahlt, und ich frage mich, warum der Mann und seine sympathische Frau den Schritt in die Selbstständigkeit nicht schon viel früher gesetzt haben! Schade, dass sich die Stundenten das Essen hier nicht oft leisten können, aber vielleicht wird die Witwe ein treuer Gast. Die Aufregungen auf dem Teller werden sich in Grenzen halten. Und sagen oder schreiben Sie nie „Mitten im Achten“, das ist dann zu viel Klischee, danke!

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