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X-Mas-Ausflug: New York! Yes we can!

27.11.2008 | 16:32 |  Von Nele Husmann (Die Presse - Schaufenster)

Schnell noch am Hudson und East River einkaufen, bevor der Dollar wieder erstarkt. Das zweite Motiv für New York im Advent: Nirgends sind Kitsch und Urbanität so genial gemixt wie hier.

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Lauter die Glocken nie bimmeln als in New York zur Weihnachtszeit. Prächtig und extrem exaltiert dekorierte Schaufenster, ­eine ganze Perlenkette von illuminierten Tannen auf der Park Avenue, Schlittschuhlaufen vor dem glitzernden Rockefeller Center und – dank der Wirtschaftskrise – bereits deutlich reduzierte Preise.

Kaum eine Stadt feiert den Advent so hemmungslos kitschig wie New York. Noch immer sind die Avenues voller Menschen, doch geht es nicht ganz so turbulent zu wie sonst. Tickets zu Weihnachtsspektakeln wie den Rockettes in der Radio City Music Hall oder dem „Nussknacker“-Ballett sind leichter zu haben, Reservierungen sind in angesagten Restaurants selbst kurzfristig kein Problem, und auch die Warteschlangen vor den Kinos und den hippen Party-Locations sind kürzer. Vor allem aber locken Schnäppchen die europäischen Besucher – der Euro ist in New York noch immer viel wert.

Hotel, Hotel. Wer sich in New York zu hundert Prozent weihnachtlich fühlen möchte, sollte im Boutiquehotel Gramercy Park absteigen. Designer Ian Schrager hat es jüngst geschafft, das Boheme-Gefühl des 1925 eröffneten Traditionshotels ins 21. Jahrhundert zu übertragen. Im Gramercy Park heiratete einst Humphrey Bo­gart, trank der Starspieler der Yankees, Babe Ruth, neben Künstlern, Schriftstellern und Musikern an der Bar. An diese Tradi­tion knüpft das Hotel heute an – Bill Clinton feierte hier seinen sechzigsten Geburtstag. Dazu händigt das Gramercy Park jedem Gast den Schlüssel zu seinem zauberhaften privaten Park vor seinen Türen aus.

Ganz anders der gewagte Neubau des Bowery Hotels. Die Herberge steht in einer Gegend, die früher allenfalls für ihre Obdachlosen bekannt war. Die Edelhoteliers Eric Goode und Sean MacPherson beschwören ein grandios-nostalgisches und doch modernes Gefühl in ihrer Hotelhalle mit edlen Teppichen und samtenen Sofas herauf.
Derzeit kehrt die Bowery Street wieder zu ihren glanzvollen Wurzeln als Kultur- und Restaurantmeile der Zwanzigerjahre zurück. Ganz in der Nähe öffnete beispielsweise das New Museum mit gewagter Gegenwartskunst seine Türen.

Shopaholic. Wer sich dem Weihnachtsbummel hingeben will, sollte beim ABC Carpet Home vorbeischauen. Wie in einem Rausch spaziert man an schönen Gegenständen aus der ganzen Welt vorbei – prachtvoll dekoriert und dargeboten wie in einem riesigen Kunstwerk. Auf sieben Stockwerken bietet das einzigartige Geschäft eine Weltreise durch exotische Angebote aus Usbekistan oder Südafrika, Indien oder Chile. Antik oder neu – hier findet man Porzellan, Mode, Geschenke und Einrichtunggegenstände, Kosmetik, Badezimmerbedarf, Kinderkleidung, Fotoalben, Christbaumschmuck. Erschöpft kann man danach wahlweise belgischen Kakao im Le Pain Quotidien trinken oder Tapas bei Pipa essen, die beide im selben Gebäude untergebracht sind.

Auf der Suche nach angesagter Mode von etablierten und aufstrebenden unabhängigen Designern wie Elliott Mann oder Vanessa Barrantes ist man in der Boutique Otte imGreenwich Village bestens aufgehoben. Hier gibt es eine große Auswahl tragbarer Mode von Labels, die kurz vor dem kommerziellen Durchbruch stehen.

Trend-Scouts. Ganz in der Nähe eröffnet sich im Aedes de Venustas eine fantastische Welt exquisiter Parfüms, ­extravaganter Lotionen und Seifen, die sich perfekt als Mitbringsel eignen. Das Geschäft selbst ist bereits eine optische Augenweide, und Berühmtheiten wie der New Yorker Designer Michael Kors können hier beim Shopping angetroffen werden.
Im East Village, in der kleinen Boutique Lola y Maria, ganz im Stil der 80er-Jahre eingerichtet, präsentiert Besitzerin Gina Pagano Kollektionen von südamerikanischen Talenten wie der Brasilianerin Maria Bonita Extra. Die Mode ist supereklektisch: „Catherine Deneuve trifft Bianca Jagger“, beschreibt Pagano ihre Kollektion. Hier findet man anspruchsvolle Geschenke für sich selbst.

Dagegen ist die Boutique Auto im ehemaligen Meat­packing District von Roman Luba und Renata Bokalo eine ideale Fundgrube für extravagante Weihnachtsgeschenke. Der Laden ist spezialisiert auf interessanten Schmuck von schwer zu findenden Designern wie Sarah McGuire und Aesa, dazu Accessoires und feine Bettwäsche.

Noch mehr originelle Geschenkideen findet man in Apartment 48. Das Geschäft ist wie eine Wohnung auf­gebaut: Im Wohnzimmer gibt es marokkanisch inspirierte Einrichtungsstücke, die Küche bietet zurückhaltende nordische Eleganz, das Schlafzimmer chinesische oder indische Untertöne, das Kinderzimmer schreit in Primärfarben, und das Badezimmer ist duftig-floral. Nicht nur antik inspirierte und zugleich hochmoderne Damen­bekleidung bietet Anthropologie in ästhetisch atem­beraubendem Umfeld, sondern auch antike Türknöpfe, Tagebücher, Teekannen und andere nette Kleinigkeiten, die man kaum dalassen mag.

Megastore. Barneys New York gilt als das modernste und innovativste Kaufhaus New Yorks. Barneys hat schon neue Designer unter Vertrag, noch bevor man sie in den alternativen Boutiquen finden kann. In Sachen Männermode bietet Ralph Lauren einen frischen Auftritt in ­einer Kette namens Rugby – ähnlich Old-School wie in der Stammmarke, aber mit etwas frischem Wind. Statt des ­inzwischen etwas antiquierten Polospielers ziert bei diesem Label wahlweise ein kleiner Totenschädel oder ein Rugbyspieler die preppy-klassischen Angebote. Auch im Sortiment: originale Rugby-Shirts.

Eine ganze Welt für sich eröffnet sich bei Takashimaya, nur einen Steinwurf vom Central Park entfernt. Dieser westliche Außenposten des traditionsreichen japani­schen Kaufhauses bietet ein einzigartiges ­Einkaufserlebnis. Die japanische Sensibilität für erlesenes Design, exquisite Präsentation und moderne Funktionalität durchzieht alle sieben Etagen. Bei Mode, Schmuck, Kosmetik, Keramik, Badezimmerein­richtung, Babymode und in der Blumenabteilung findet sich wahrlich Außerordentliches. Abgerundet wird das Einkaufserlebnis durch den Besuch des Kellergeschoßes, wo sich neben einem exquisiten Sortiment japanischer Tees auch ein traditionelles japanisches Teehaus befindet.

Kitsch(-Kultur). Weihnachtskultur auf Amerikanisch ist zwar nicht jedermanns Sache, aber allemal eine Erfahrung. Nichts eignet sich besser, um sich in megakitschige Weihnachtsstimmung zu beamen, als der Besuch des Weihnachtsspektakels der Rockettes in der Radio ­City Music Hall in der 6th Avenue. Seit einem Dreivierteljahrhundert schon treten hier zur Weihnachtszeit die berühmten Synchrontänzerinnen einmal als Rentier, einmal als Zinnsoldat verkleidet auf und werfen die Beine bis zur Nasenspitze in die Luft. Eine Mischung aus atemberaubend überzogenem Kitsch und herrlicher Weihnachtsstimmung zieht selbst nüchterne Besucher in ihren Bann. Bei der Krippenszene mit lebendigen Darstellern vom Esel bis zum Dromedar zum krönenden Abschluss sind alle restlos begeistert.

Etwas klassischer gibt sich das „Nussknacker“-Ballett im New York City Balletts, Ecke Columbus Avenue und 63 St., in der Cho­reografie von George Balanchine. Diese funkelnde, glitzernde, strahlende Produktion steht bei vielen New Yorker Familien ganz oben auf der Liste der Weihnachtstraditionen – ­inklusive Zuckerpflaumenfee, walzertanzenden Schnee­flocken und marschierenden Zinnsoldaten.

Food & Drinks. New York kostet Kraft. Da trifft es sich gut, dass fünf Zentimeter dicke, saftig-opulente Schweinskoteletts derzeit auf keiner Speisekarte der kreativen Köche fehlen dürfen. Besonders zu empfehlen sind sie bei The Little Owl, einem derzeit sehr angesagten romantischen kleinen Ecklokal im West Village. Experimenteller geht es im WD-50 zu, dem Restaurant von Wylie Dufresne, dem Lehrling von Starkoch Jean-George Vongerichten. Hier sind die Schweinsripperl besonders
empfehlenswert.

Wer seine Tage in New York im Weihnachtsrausch verbringt, wird abends gut eingestimmt auch ins Nachtleben ziehen. Für Adabeis und Promijäger: Ganz oben auf der Liste zahlreicher Prominenter aus der Kreativszene, der Kunst und Politik stehen Cocktails in den Bars der Hotels Soho Grand oder 60 Thompson.

Noch unvergesslicher wird der Abend im Herzen ­Brooklyns: Im Clover Club von Barkeeperin Julie Reiner steht eine verblichene Theke aus einer Bergbaustadt in Pennsylvania aus dem 18. Jahrhundert, an der Decke hängen Kristalllüster. Nicht unbedeutend ist natürlich auch: Die Cocktails sind genauso köstlich.

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