Wer Dänen nach dem Weg fragt, erhält eine kurze, klare Antwort. Keine übertriebene Höflichkeit, kein hätte, könnte, wäre oder würde. Einfach die Fakten. Dänen antworten logisch, unverschnörkelt. Das mag manchmal fantasielos wirken, aber die harte Herzlichkeit oder herzliche Härte hat auch ihre Qualitäten. Dänen zeigen in fast allen Bereichen Stil.
Vesterbro, Studentenviertel und Paradebeispiel für Gentrifizierung. Ein Blick auf eine beliebige Fensterfront: klare, einfache Linien, keine Vorhänge, keine verdreckten Stores. Hausen in den Lofts ausschließlich Designerinnen und Innenarchitekten? Unwahrscheinlich. Die Einrichtungsgegenstände, die in Dänemark zur Auswahl stehen, haben ausnahmslos einen funktionalen, zeitlosen Geschmack.
In Mitteleuropas Cosmosen, Saturnen, Mediamärkten wird im Vergleich dazu nur Ausschussware angeboten. Sogar die dänischen Ventilatoren sind sexy. Das hässlichste Fahrrad von Vesterbro wäre in Österreich das schönste – gute, feste Markenware, keine 21-Gang-Pseudosporträder.
Den Dänen sind ihre Fahrräder was wert. Eine Schlange von 500 Menschen mit Rädern bildet sich, wenn die Stadtverwaltung den kostenlosen „Lille Cyclechip“ ausgibt, einen Chip, mit dem verschwundene Fahrräder wiedergefunden werden sollen. „In Kopenhagen werden 18.000 Räder pro Tag gestohlen“, erklärt ein Polizist, „das heißt, alle zwei Minuten verschwindet eines.“ Kann das wirklich sein? Ist das eine korrekte Rechnung? „Ja, sicher“, sagt der Polizist etwas barsch, „Sie machen sich keine Vorstellung darüber, wie es hier zugeht. Diese Mischung aus allen Ländern . . . Es gibt enorm viel Verbrechen in Kopenhagen!“
Ich nicke voller Resignation, denn davon verstehe ich zu wenig – in Dänemark versteht man grundsätzlich wenig. Die Sprache ist rätselhaft, obwohl man mit intakten Deutschkenntnissen immer wieder glaubt, die eine oder andere Phrase zu durchschauen. Dänische Verbrechen gibt es tatsächlich eine Menge, jedenfalls titelt die Gratismetrozeitung „Elev misshandlad – Rektorn anmäld“. Wer jetzt denkt, ein Eleve wurde misshandelt, wobei ihm jemand das Rektum angemalt hat, liegt sicher falsch.


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Fort Mustang: Atemberaubend
