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Amanshausers Welt: 155 Dänemark

17.09.2009 | 16:37 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Ist es anderswo besser? Sogar die Ventilatoren sind in Kopenhagen sexy. Die Fahrräder sowieso.

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Wer Dänen nach dem Weg fragt, erhält eine kurze, klare Antwort. Keine übertriebene Höflichkeit, kein hätte, könnte, wäre oder würde. Einfach die Fakten. Dänen antworten logisch, unverschnörkelt. Das mag manchmal fantasielos wirken, aber die harte Herzlichkeit oder herzliche Härte hat auch ihre Qualitäten. Dänen zeigen in fast allen Bereichen Stil.

Vielleicht nicht im persönlichen Umgang, in dem sie unter Umständen grob wirken. „Soll die EU alles bestimmen?“, hat die Anti-EU-Partei plakatiert, die das Nein in ihrem Namen trägt und deren politische Ausrichtung hier niemand so richtig erklären kann, „Skal EU bestemme alt?“ Das klingt ein bisschen wie halsstarriger Bestemm. Aber in Wahrheit handelt es sich um den Ausdruck einer transparenten Denkungsart. Eventuell auch um besagten Stil. Angesichts der dänischen Banknoten leuchtet die Euroskepsis der Dänen ein: Die Papierkronen haben im Gegensatz zur protzigen Einheitswährung Europas ein modernes Design, bestechen durch einheitliche Größe und liegen gut in der Hand. Design ist der verlässliche Begleiter im dänischen Alltag. In keiner Metropole der Welt sehen Salzstreuer so gut aus wie in Kopenhagen.

Vesterbro, Studentenviertel und Paradebeispiel für Gentrifizierung. Ein Blick auf eine beliebige Fensterfront: klare, einfache Linien, keine Vorhänge, keine verdreckten Stores. Hausen in den Lofts ausschließlich Designerinnen und Innenarchitekten? Unwahrscheinlich. Die Einrichtungsgegenstände, die in Dänemark zur Auswahl stehen, haben ausnahmslos einen funktionalen, zeitlosen Geschmack.

In Mitteleuropas Cosmosen, Saturnen, Mediamärkten wird im Vergleich dazu nur Ausschussware angeboten. Sogar die dänischen Ventilatoren sind sexy. Das hässlichste Fahrrad von Vesterbro wäre in Österreich das schönste – ­gute, feste Markenware, keine 21-Gang-Pseudo­sporträder.

Den Dänen sind ihre Fahrräder was wert. ­Eine Schlange von 500 Menschen mit Rädern bildet sich, wenn die Stadtverwaltung den kostenlosen „Lille Cyclechip“ ausgibt, einen Chip, mit dem verschwundene Fahrräder wiedergefunden werden sollen. „In Kopenhagen werden 18.000 Räder pro Tag gestohlen“, erklärt ein Polizist, „das heißt, alle zwei Minuten verschwindet eines.“ Kann das wirklich sein? Ist das eine korrekte Rechnung? „Ja, sicher“, sagt der Polizist etwas barsch, „Sie machen sich keine Vorstellung darüber, wie es hier zugeht. Diese Mischung aus allen Ländern . . . Es gibt enorm viel Verbrechen in Kopenhagen!“

Ich nicke voller Resignation, denn davon verstehe ich zu wenig – in Dänemark versteht man grundsätzlich wenig. Die Sprache ist rätselhaft, obwohl man mit intakten ­Deutschkenntnissen immer wieder glaubt, die eine oder andere ­Phrase zu durchschauen. Dänische Verbrechen gibt es tatsächlich eine Menge, jedenfalls titelt die Gratismetrozeitung „Elev misshandlad – Rektorn anmäld“. Wer jetzt denkt, ein Eleve wurde misshandelt, wobei ihm jemand das Rektum angemalt hat, liegt sicher falsch.



TIPP
Martin Amanshauser, "Logbuch Welt, 52 Reiseziele, www.amanshauser.at, Bestellinfo: online oder Fax: 01/514 14-277.

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