Ein breites Tal, das ich im Jahr 1993 vom Meer her inseleinwärts ging – über eine breite Schotterpiste, die so aussah, als könnte sie einmal im Jahr oder einmal im Jahrzehnt zu einem reißenden, alles niederreißenden Fluss werden. Wasser ist auf Cabo Verde rar, aber auf Santo Antão regnet es gelegentlich welches herunter, weshalb die steintrockene Insel als feucht und fruchtbar gilt – vergleicht man sie mit anderen Inseln des Archipels.
Kurz darauf stand ich in einem ausgestorbenen Dorf. In Caculi gab es eine kleine Kirche, ein Graffito „Nieder mit der Korruption“, aber sonst gab es wenig. Keinen Shop, kein Café, kein Restaurant, und natürlich weder Hotel noch Pension. Auf dem Kirchplatz näherte sich mir ein Junge. Er war ungefähr 17 Jahre alt. Er sprach mich, den höchstens acht Jahre älteren, mit „Sie“ an, und er hielt mich, was mir gefiel, nicht gleich für einen Portugiesen.
„Nacionalidade?“, fragte er. Ich antwortete Áustria. „Ah“, rief er, „Friedl Koncilia, Klaus Lindenberger!“ Ich fragte ihn, ob er sich denn nur für Tormänner interessiere. „Nicht nur“, sagte Miguel und lächelte, „Toni Polster, Peter Pacult.“ Ich war beeindruckt. Miguel erläuterte, dass er Panini-Bilder sammelte, dass die aber in Cabo Verde extrem schwer zu kriegen seien. Umso schwieriger hier hinten in Caculi am Ende der Ribeira – dachte ich.
Miguel wollte kein Geld, doch er hatte ein Anliegen: „Können Sie mir aus Ihrem Land Fußballschuhe schicken, Größe 40? Ich habe gehört, die sind in Europa sehr billig.“ Ich sagte ihm das zu. Er schrieb mir seine Adresse in mein Notizheft.
Bevor ich weiterging, blickte er mir tief in die Augen: „Sie werden Miguel vergessen. Sie werden zurückfahren in Ihr europäisches Land, und Sie werden mir keine Fußballschuhe schicken. Vielleicht denken Sie irgendwann später an mich, aber Sie werden Ihr Versprechen nicht einhalten!“ Ich widersprach heftig, doch wie es im Leben so kommt, behielt Miguel mit seiner Prophezeiung recht. Das können wir heute, fünfzehn Jahre später, mit Bestimmtheit sagen.


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