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Die Ich-Pleite: Psychohandy

29.10.2009 | 17:11 |  von annemarie (Die Presse - Schaufenster)

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Die neuen Handys übernehmen ja immer mehr Funktionen. Das von meiner Freundin kann surfen, filmen und Musik, die es hört, erkennen. Mein Handy kann das nicht. Aber dafür hat es eine eingebaute Psychoanalysefunktion. Ich aktiviere sie jedes Mal, wenn ich ein SMS schreibe. Ich schreibe zum Beispiel „Ich“. Und mein Handy schlägt mir Alternativen vor: „Gag“ oder „Hai“. Das gibt mir zu denken. Je nach Tagesverfassung neigt mein „Ich“ eher zu „Gag“ oder zu „Hai“. Mein Handy schweigt natürlich dazu. Da unterscheidet es sich nicht von einem richtigen Analytiker. Dafür mischt es sich sofort mit seinen Hypothesen ein, sobald ich auch nur den Mund aufmache. Vervollständigt „Bu“ zu „Bub“, obwohl ich eigentlich „Buch“ schreiben wollte, und „Ku“ zu „Kuß“, obwohl ich „Kur“ gemeint habe.

Damit will es mich natürlich provozieren. Genauso, wenn es bei Wörtern, die ich besonders oft schreibe, auf Alternativvorschläge verzichtet. Zum Beispiel bei „Kaffee“, „Kaffeehaus“, „frühstücken“. Danke, ich weiß selbst, dass ich ein Gewohnheitstier bin! Übrigens: Ausgerechnet bei den Wörtern, die ich am allerhäufigsten schreibe, tut es jedes Mal so, als hätte es sie noch nie gespeichert: „Sorry, ich verspäte mich ein paar Minuten“, müsste es schon längst auswendig können. Aber nein, kaum schreibe ich „versp“(äte) erscheint „UdSSR“! sprich: fiese Anspielung auf mein Leben als zu spät Gekommene. Morgen wechsle ich den Handy­lytiker!

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