Ein circa sechsjähriger Bub nimmt eine Packung aus dem Süßigkeitenregal und hält sie seinem – offenbar – Großvater hin, der mit dem Einkaufswagen hinter seinem Enkel hergeht. Der Mann schaut die Packung prüfend an, dann den Preis am Regal und sagt schließlich ziemlich ungehalten: „Drei Euro, das sind 40 Schilling, das musst du dir einmal vor Augen halten.“ Der Bub schaut etwas verdattert zu, wie die Leckerei zurückgelegt wird, und gibt sich sichtlich Mühe, sich das vor Augen zu halten, ohne in Tränen auszubrechen. Was gar nicht leicht ist, wenn man erst ein paar Jahre nach der Euro-Einführung auf die Welt gekommen ist (mich hat die Szene an eine Begebenheit am Strand von Lignano erinnert, als einem Dreijährigen, der mit seiner Plastikschaufel auf den Bug eines Adria-Tretboots geklopft hat, von seinem Vater ein „Und wenn’s hin wird, zahlst es!“ zugezischt worden ist).
Aber ich habe keinen Grund, mich lustig zu machen: Beträge unter einer Milliarde Euro rechne auch ich noch in Schilling um, und die Frage, ob man den Kindern die Wirtschaftskrise näherbringen soll, ist ja durchaus eine aktuelle. Dazu gibt es zwei Schulen: die Kindheit-ist-Kindheit-Schule, die den Nachwuchs vor der harten Realität beschützen will und deshalb Gefahren wie Massenarbeitslosigkeit vor noch nicht Zehnjährigen prinzipiell nicht thematisiert. Und den Her-mit-dem-Ernst-des-Lebens-Ansatz, der den Kleinen ganz gerne schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt klarmacht, dass sie sich später einmal schon noch ganz schön anschauen werden. Mir jedenfalls wäre es schon genug, wenn die Krise dazu führt, dass ich nicht jedes Mal Abwehrschlachten schlagen muss, wenn in Las Vegas der Herr Jobs ein neues Apple-Produkt vorstellt. Wenn Sie wüssten, wie viel die alle in Schilling kosten . . .
Kids in der Krise
22.04.2009 | 19:05 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)
Während der Wirtschaftskrise in einem Supermarkt in Westösterreich.
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