Auf dem steht ganz viel unübersichtlicher Text, unter anderem aber auch: „Wenn Ihr Leben ein Film wäre, würden Sie ihn sich dann anschauen wollen?“ Eine ziemlich persönliche Frage, um da so mitten auf der Straße im ersten Wiener Gemeindebezirk gestellt zu werden, finde ich. Aber gut, meine spontane Antwort wäre: Nein, natürlich nicht. Wobei es vielleicht so ist, dass ich mir mein Leben als Film dann anschauen würde, wenn es nicht gerade mein Leben wäre, das ich ja schon kenne. Genauer, als mir lieb ist. Aber wahrscheinlich nicht einmal dann.
Man könnte sich natürlich auch zuerst einmal fragen, welche Art Film das eigentlich wäre, das eigene Leben. Also ein Thriller nicht, viel zu fad, Sci-Fi auch nicht, zu wenig innovativ, wobei ich im Raumanzug sicher eine gute Figur machen würde, für eine Komödie ist es eindeutig zu wenig lustig und für ein Drama zwar traurig genug, aber ohne die nötigen Verzweiflungsspitzen. Für einen Animationsfilm bin ich (noch) zu wenig gezeichnet, für einen Actionfilm fehlen die Verfolgungsjagden.
Ein Sexfilm? Ja, das hätten Sie gerne. Es wäre also wohl am ehesten so ein Streifen, in dem man einem durchschnittlichen Protagonisten, der nichts Außergewöhnliches erlebt, dabei zuschauen kann, wie er sein Leben nicht auf die Reihe bekommt. Wenn ich es mir genau überlege, ist das gerade die Art Film, die ich am allerliebsten anschaue. Ich muss mich also korrigieren: Wenn mein Leben ein Film wäre, würde ich ihn mir anschauen. Und wie. Ich würde mir sogar die DVD kaufen. Wenn das kein Happy End ist. Und morgen wartet der nächste Drehtag auf mich.
Das Leben – ein Film
04.06.2009 | 20:22 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)
Mitten in der Stadt klebt da an diesem unscheinbaren grauen Sicherungskasten also ein Plakat.


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