Die Cellulitis des Mannes ist (neben der Cellulitis selbst) der Haarausfall. Wobei sich der Haarausfall dem Mann zunächst wie ein guter Freund nähert, während die Orangenhaut die Frau mit der schonungslosen Kompromisslosigkeit eines Handtaschenräubers überfällt. Beim Mann gibt es für den Haarausfall (der ja streng genommen gar keiner ist, weil die Haare nicht wirklich ausfallen, sondern nur woanders – in die Ohren und die Nase – hinwachsen) nämlich viele behübschende Synonyme wie Ecken, hohe Stirn, tiefer Haaransatz, die allesamt mit positiven Worten wie markant, interessanter, nicht mehr so bubihaft kombiniert werden. Und den Betroffenen in völliger Sicherheit wiegen, bis er sich eines Tages mit Begriffen wie schütter, ausgedünnt oder gar Glatze konfrontiert sieht.
Das ist generell schon nicht besonders lustig, noch härter trifft mich diese Wahrheit allerdings, wenn ich sie frühmorgens zu viert auf fünf Quadratmetern (ja, genau im Badezimmer) vom Ältesten mit einem schäbigen Freudenschrei begleitet präsentiert bekomme: „Der Papa hat ja nur mehr urwenig Haare!“ Kurz hilft der Trost des Jüngeren („Ist gar nicht so schlimm, wenn man so klein ist wie ich, sieht man dort eh nicht rauf“), ein Blick zu ihr macht diesen Trost gleich wieder zunichte. Sie versucht es zwar mit aufmunternden Worten, ein glaubwürdiges Dementi kommt ihr nicht über die Lippen. Ich weiß jedenfalls, was es geschlagen hat. Während ich noch versuche, mir das Haar gekonnt zu drapieren, was nicht nur wegen seiner schlechten Qualität schwierig ist, sondern auch, weil noch drei Leute zwischen mir und dem Spiegel stehen, reift mein Entschluss: Ich werde mir die Ohrenhaare wachsen lassen. Das macht mich sicher irgendwie markanter. Weniger bubihaft . . .
Randerscheinung: Erschütternd schütter
11.06.2009 | 16:43 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)


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