Radfahren ist eine dieser Sachen, die man angeblich nicht mehr verlernt, wenn man sie einmal gekonnt hat. Und Schwimmen. Und Skifahren. Und Eislaufen. Heißt es. Aber nicht nur Bewegungsabläufe bleiben für immer gespeichert. Es gibt auch jede Menge Gefühle, für die dasselbe gilt. Wenn Menschen sich nach langer Zeit wieder einmal verlieben zum Beispiel, hört man oft ein verwundert-erfreut-überraschtes „Ich fühle mich plötzlich wie mit sechzehn!“ Oder wenn ein Gericht (es ist übrigens schön, dass es das echte Fru-Fru wieder gibt), ein Geruch, ein Geräusch ein ganz bestimmtes Gefühl, das tief verschüttet lag, hochkommen lassen. Von einer Sekunde auf die andere.
So geht es mir im Moment. Wenn Sie das hier lesen, bin ich nämlich schon eine Woche in den „Großen Ferien“. Das erste Mal seit meiner Schulzeit wieder. Das „Schaufenster“ geht in die Sommerpause, das heißt, es erscheint auch zwei Monate lang keine „Randerscheinung“. Oder positiv formuliert (denn nur so kommen wir durch die Krise): Weder müssen Sie eine lesen, noch muss ich eine schreiben. Wir haben also sozusagen beide frei. Und gleich ist es wieder genauso wie damals. Oder? Wir sind zwischen sechs und siebzehn Jahren alt, es ist Anfang Juli, wir haben das Zeugnis gekriegt, und es ist schlagartig alles in Ordnung (bis auf das Zeugnis möglicherweise). Also, ab ins Bad mit uns, in den Urlaub oder in die Hängematte. Im Herbst erzählen wir uns dann, was wir in den Ferien so alles erlebt haben. Und ich hoffe inständig, mit dem Kolumnenschreiben ist das wie mit dem Radfahren. Oder dem Schwimmen. Oder dem Verliebtsein. Schönen Sommer!
Randerscheinung: Ein Sommer wie damals
26.06.2009 | 21:11 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)


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