Sommerrückblick: Wetter. Es gibt vielleicht keinen Gott. Aber es gibt die Frau Holle. Und die ist mindestens so ambitioniert. Wenn nicht ambitionierter. Denn sie nimmt den Reichen und gibt den Armen. Wenn man in diesem Sommer vom Wirtschaftskrisenpech getroffen und dadurch vielleicht erwerbslos wurde, dann bekam man von ihr als Ausgleich Sonnenschein. Damit der Golden Handshake ein bisschen mehr glänzt. Und damit man seine frei(-gestellte) Zeit wenigstens im Gänsehäufel verbringen konnte, sandte Frau Holle den Großteil ihrer für einen österreichischen Sommer vorgesehenen rund 600 Sonnenstunden zwischen Montag und Donnerstag. Und am Samstag Regen.
Denn nichts steigert das Glück des einen mehr als das Unglück des anderen. Aber war das wirklich gerecht? Traf es damit die Richtigen? Die wahren Übeltäter? Was kann ein armes Angestelltenwürstel – zum Beispiel – einer Fluglinie für den Börsencrash der Banken? Eine gerechte Wetterumverteilung müsste eigentlich die Banken treffen. Wobei, was kann ein kleiner Bankangestellter dafür? Besser, es trifft die Vorstandsetagen. Allerdings haben die auch nichts getan, als den Ratingagenturen vertraut. Aber die gut bezahlten Investmentbanker fliegen zum Baden dem schönen Wetter nach. Und sitzen sie dort dann wenigsten fest, weil ihnen unterm Hintern die Airline bankrottgegangen ist? Oder haben sie ihren Arsch gerettet, weil sie es schon vorher wussten? Die Frau Holle ist eben nicht der Liebe Gott.
Die Ich-Pleite: Sommerrückblick
17.09.2009 | 16:39 | von annemarie (Die Presse - Schaufenster)


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