Es ist wieder so weit. Wie jedes Jahr liegt das Viennale-Programm bleischwer bei mir zu Hause herum. Und wie jedes Jahr werde ich es auch heuer nicht schaffen, nur ein einziges Mal hinzugehen. Dabei würde ich mir zum Beispiel wirklich gern Abel Ferraras „Bad Lieutenant“ anschauen. Obwohl mich der Film vor fünfzehn Jahren im Admiral-Kino bei abgelau-fenen Kellys-Popcorn in seiner Wucht, Bedingungslosigkeit, Brutalität (und wegen Harvey Keitel natürlich) nachhaltig beeindruckt hat, hätte der heute garantiert etwas unfreiwillig Komisches – was im Grunde eh immer das Beste ist, das sich über etwas (nicht nur Filme) sagen lässt. Oder natürlich Lars von Triers „Antichrist“. Besonders weil ich froh darüber bin, was laut von Trier rausgeschnitten werden musste: ein Teil von Hauptdarsteller Willem Defoe nämlich. Es ist angeblich so imposant, dass kein Körperdouble gefunden werden konnte, mit dem die Anschlüsse zu den Sexszenen realistisch gewirkt hätten. Behauptet zumindest der Däne.
Das und noch viel mehr werde ich also auch heuer nicht sehen, weil ich mich nämlich nicht gern festlege. Also, so stimmt das auch wieder nicht. Im Grunde genommen gibt es kaum jemanden, der sich mehr festlegt als ich. Frau, Kinder, Job, Wohnung, Tagesablauf, alles schon ewig tupfgleich. So gleich, dass sich darüber hinaus eben nicht einmal mehr eine im Vorhinein gekaufte Kinokarte ausgeht. Das würde mich dann doch zu sehr einengen. Und wenn ich einen Monat vorher schon Karten gekauft habe, ist das fast die Garantie dafür, dass mich am Tag X wirklich alles mehr freut, als ausgerechnet jetzt diesen einen Film anzuschauen. Das hat auch sein Gutes. So muss ich mir meinen Harvey Keitel nicht entzaubern lassen. Und das Viennale-Programm blättere ich trotzdem durch, mit frischem Popcorn.
Randerscheinung: Harvey, Willem und das Popcorn
22.10.2009 | 19:09 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)


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