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Randerscheinung: Sprich zur Hand

29.10.2009 | 17:12 |  von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

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Über Kommunika­tionshürden zwischen dem Nachwuchs und mir war ja hier erst jüngst die Rede. Sagen wir einmal so: Das Thema hat sich noch nicht wirklich erledigt. Nach einer unachtsamen Bemerkung musste ich neulich mit einem Gesprächsverweigerungsinstrument namens „Sprich zur Hand“ Bekanntschaft machen. Dabei streckt mir der Ältere mit genannter Parole die gespreizte Handfläche entgegen, die quasi den (gleichzeitig abgewandten und zu Boden geneigten) Kopf ersetzt. Ich habe eine Zeit lang geduldig auf die Hand eingeredet, in der Hoffnung, die Ohren mögen verstohlen lauschen, dann aber bemerkt, dass die mit Kopfhörern zugestöpselt waren. „Sprich zur Hand“ hat mich deswegen mehr beeindruckt als der bereits zur Routine gewordene „Machtstoß“ (dabei schaut der Ältere böse, macht mit beiden Händen eine gegen mich gerichtete Bewegung, irgendetwas zwischen einer asiatischen Kampfsportgeste und Harry Potters Haltung, wenn er die Dementoren mit dem Patronus-Zauber in Schach hält), weil er mich dabei wenigstens anschaut – wenn auch böse.

„Sprich zur Hand“ ist übrigens nur eine zeitgemäße Abwandlung des in meiner Jugend gebräuchlichen „Redt’s in ein Sackerl, ich höre es mir später an“. Der wesentliche Unterschied: Man hat sich das nur gedacht, während man sich mit offenem Blick den faden Kas angehört hat, den der jeweilige Erziehungsberechtigte absondern zu müssen geglaubt hat. Ein offenes „Sprich zur Hand“ hätte wohl eine Reaktion ausgelöst, bei der eine Hand (neben der Wange) auch eine wesentliche Rolle gespielt hätte. Dass muss man übrigens auch einmal deutlich sagen: Meine Generation ist pädagogischer Nettozahler. Nach einer Jugend unter autoritärem Joch tanzen uns jetzt unsere Kinder auf der Nase herum. Das erzähle ich demnächst der Hand. Vielleicht interessiert es die ja.

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