Ihre sexuelle Orientierung hat einer deutschen Erzieherin den Job gekostet. Eine Zeitarbeitsfirma hatte die lesbische Erzieherin aus Ulm an einen römisch-katholischen Kindergarten in Neu-Ulm vermittelt. Bald schon bot die Einrichtung der 35-Jährigen eine Stelle bis zum 31. August 2012 an, doch der Vertrag enthielt folgende Passage: Das außerdienstliche Verhalten darf nicht im Widerspruch zu den Bestimmungen des kirchlichen Dienstes stehen. Sie informierte die Leiterin darüber, dass sie lesbisch ist. Die Kindergartenleitung schaltete daraufhin den zuständigen Gemeindepfarrer ein. Dieser habe ihre homosexuelle Lebensweise als unnatürlich bezeichnet, sagt die Frau. "Das war so demütigend", gibt sie in einem dpa-Interview zu Protokoll.
Kirche und Homosexuelle im Zwiespalt
Wegen Personalnotstands kam die befristete Anstellung doch zustande, sie wird aber nicht verlängert. Für die evangelische Erzieherin liegt der Grund auf der Hand. Sie ist nicht die Einzige in Deutschland, die Ärger mit einer kirchlichen Einrichtung hat, weil sie homosexuell ist. Der Vorgesetzte der Kindergartenleitung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Leiterin des Kindergartens verweist auf die Diözese Augsburg.
Unverständnis zeigt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Für die Arbeit ist die sexuelle Orientierung völlig unerheblich", sagt GEW-Sprecher Matthias Schneider in Stuttgart. "Ich würde mir wünschen, dass sie bei Arbeitsverträgen der katholischen Kirche keine Rolle spielen würde." Die betroffene Erzieherin sucht mittlerweile eine neue Stelle.
Deutsche für Homosexuellen-Gleichstellung
Unterdessen zeigt sich, dass Deutschlands Bürger mit Homosexuellen weniger Probleme haben, als manche vielleicht dachten. Die Mehrheit der Deutschen befürwortet nach einer Umfrage die steuerliche Gleichstellung eingetragener homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe. 80 Prozent seien dafür, dass das Ehegattensplitting auch auf verheiratete schwule und lesbische Paare angewendet wird, berichtete das Magazin "Focus" als Auftraggeberin der Erhebung am Samstag. 17 Prozent lehnten dies ab. Am höchsten ist die Zustimmung unter den Anhängern der Grünen (85 Prozent) und der SPD (83), gefolgt von FDP (76) und Linken (74). Selbst Anhänger der Unionsparteien sind ganz überwiegend dafür (71 Prozent).