WIEN. Im Herbst 2010 ist noch keine Änderung zu erwarten, doch ab Oktober 2011 könnte die Lehrerausbildung nach völlig neuen Richtlinien verlaufen. Dann wird für Lehrer an höheren Schulen die Bachelor-Master-Struktur (laut Bologna-Beschluss 1999) umgesetzt worden sein, dann könnte es auch zur viel diskutierten Verschränkung der Pädagogischen Hochschulen (PH) mit den Universitäten kommen. Parallel dazu will Unterrichtsministerin Claudia Schmied ein neues Lehrerdienstrecht umsetzen, das – zumindest für die neu Eintretenden – eine höhere Lehrverpflichtung vorsieht. Erste Eckpunkte – wie der Berufseinstieg mit dem Bachelor – werden noch im Dezember präsentiert.
Mit der neuen Lehrerausbildung soll eine Werbekampagne für diesen Beruf anlaufen. Denn in den kommenden Jahren droht angesichts der hohen Pensionierungszahlen (siehe Grafik) eine Lücke.
Die Universitäten wollten schon vor dem Sommer dieses Jahres die Ausbildungsreform mit der Umstellung auf das Bologna-System unter Dach und Fach bringen. Eine Task-Force-Gruppe Lehramt der Universitätenkonferenz unter der Leitung von Vizerektor Arthur Mettinger (Uni Wien) hatte sich bereits vor einem Jahr auf die Eckpfeiler geeinigt – doch dann schaltete sich die Regierung ein: Unterrichtsministerin Schmied und Wissenschaftsminister Johannes Hahn setzten am 2.März dieses Jahres eine eigene Expertengruppe für die Neugestaltung der Lehrerausbildung ein, die der Steirer Peter Härtel, Chef der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft in Graz, leitet. Mettinger sitzt gerade als einfaches Mitglied in diesem neunköpfigen Forum.
Eigenes Gesetz notwendig
Damit konnte die Bologna-Struktur noch nicht in die im Juli beschlossene Novelle des Universitätsgesetzes (UG) aufgenommen werden. Denn nach dem UG dürfen Lehramtsstudien derzeit „nur in Form von Diplomstudien angeboten werden“ (§54, Abs.2). Damit ist für die Umstellung auf jedem Fall ein Gesetz erforderlich.
Derzeit sind die Lehramtsstudien an den Unis auf neun Semester ausgelegt und schließen mit dem Magister ab. Zudem ist für die Lehrbefähigung ein einjähriges Unterrichtspraktikum an einer Schule erforderlich. Die Task-Force der Universitätenkonferenz bestand ursprünglich auf dem Bachelor- und dem nachfolgenden Masterabschluss als Voraussetzung für den Schuldienst an den höheren Schulen. Jetzt kann sich Mettinger auch einen achtsemestrigen Bachelor vorstellen, an den ein viersemestriges berufsbegleitendes Masterstudium anschließt.
Die Ausbildung würde damit zwölf Semester dauern statt der derzeitigen neun Semester plus ein Praktikumsjahr (also elf Semester). Aber die Bachelorabsolventen könnten schon an Schulen Dienst versehen (wie in der Vergangenheit auch viele „Ungeprüfte“ vor Abschluss ihres Studiums). Die Universität, so Mettinger, müsste für ein derartiges berufsbegleitendes Masterstudium neue Wege überlegen, so etwa Lehrblöcke in Seminarhotels.
Durchlässigkeit von Uni und PH
Peter Härtel hatte mit seiner Expertenkommission eine bestimmte Vorgabe erhalten: Die Ausbildung für alle Pädagogen, also auch der für Kindergärtnerinnen, soll auf Hochschulniveau erfolgen und auf Bachelor- und Masterabschluss ausgerichtet sein. Zudem soll eine Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Lehrertypen (Lehrer an Pflichtschulen und an höheren Schulen) bestehen. Ende August gab dann Ministerin Schmied in Alpbach ihren neuesten Plan bekannt: Die Ausbildung aller Lehrer soll zusammengelegt werden und ein achtsemestriges Bachelorstudium umfassen. Darauf soll ein Masterstudium Schulmanagement aufbauen.
Die Arbeitsgruppe, in der die Pädagogischen Hochschulen, Universitäten und zwei ausländische Experten vertreten sind, wird dem Auftrag gemäß noch vor Jahresende „die Eckpunkte für eine umsetzungsorientierte Ausbildung“ vorlegen, sagt Peter Härtel. Und im Gespräch mit der „Presse“ präzisiert Härtel noch: „Dass der Bachelor der Ersteinstieg für alle Lehrberufe sein wird, steht außer Zweifel.“ Es sei aber die Frage, ob für alle Lehrer ein drei- bzw- vierjähriges Bachelorstudium erforderlich sei. Da scheint ein Unterschied je nach Schulsparte möglich.
Aber der Bachelor werde „noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“. Es werden wohl noch weitere Qualifikationen – darunter fällt auch ein Masterstudium – folgen müssen, sagt Härtel. Das entspricht wiederum dem Vorschlag der Universitätenkonferenz.
Eine Uni hat übrigens bereits umgestellt: An der WU Wien werden Wirtschaftspädagogen (für die HAK und HBLA) in einem sechssemestrigen Bachelor- und fünfsemestrigen Masterstudium ausgebildet. Die Nachfrage nach diesen Absolventen ist enorm.
