Zahlt sich Bildung nur noch aus, wenn sie zum Sieg im Konkurrenzkampf „Jeder gegen jeden“ beiträgt? Geht es nur noch um die wirtschaftliche Verwertung des Wissens in bestehenden Machtstrukturen? Überlegungen wie diese sind es, denen sich Erich Ribolits, Bildungswissenschafter an der Uni Wien und Teilnehmer am ÖH-Kongress, in seiner neuen Publikation „Bildung ohne Wert“ widmet. Verfasst habe er das rund 230 Seiten starke Werk ganz „im Bewusstsein der revolutionären Herkunft der Bildungsidee“, steht zu lesen.
Der Erscheinungstermin jedenfalls ist gut gewählt. Nie gab es in jüngerer Vergangenheit so nachhaltig Debatten über die Verwertbarkeit des Wissens wie seit der Umstellung der Studienarchitektur auf das Bologna-System, das nicht zuletzt für die erhöhte „Employability“ seiner Absolventen steht.
Ein „Plastikwort“, wie es Ribolits nennt, das „durchrutscht, ohne anzuecken“, weil es durch scheinbare Plausibilität die unterschiedlichen Interessen verdecke. So wie der Begriff der Bildung selbst, der zur „inhaltsleeren“ Pathosformel verkommen sei, „die dem Verbrämen von Zielsetzungen dient, die aus den unterschiedlichsten Interessen abgeleitet sind“. Wie aber schaut der ideale Bildungbegriff aus? Bildung sei „Denken üben“, formuliert Ribolits bei der Podiumsdiskussion anlässlich des ÖH-Kongresses. Bildung solle „jungen Menschen Mut machen, in die Gesellschaft einzugreifen“, und Platz für radikalkritische Gedanken und Sichtweisen lassen. Ein Aspekt, der im derzeitigen Bildungssystem zu kurz komme. So gehe es, schreibt Ribolits, fast nur noch darum, das menschliche Lernvermögen für Konkurrenzfähigkeit und wirtschaftliche Verwertung in Dienst zu nehmen.
Die Pädagogik sei zum „Hauptinstrument der Ausbeutung des Menschen“ geworden. Der ursprüngliche Bildungsbegriff (der sich für Ribolits aus dem Widerstand gegen genau jene Vorgaben, die gegebenen Machtverhältnissen entspringen, speiste) sei ins Gegenteil verkehrt worden. Der einzige Ausweg, den Ribolits ausführlich argumentiert: Wissen müsse als „wert-los“ begriffen werden, damit es seine gesellschaftstransformierende Potenz zurückzugewinne.
Fazit: eine anregende, über weite Strecken jedoch stark theoretische Abhandlung – empfehlenswert für interessierte Insider. chs