79 Prozent aller Studenten haben innerhalb eines Semesters mindestens einmal geschummelt, knapp jeder fünfte hat mindestens ein Plagiat abgegeben. Konsequenzen hat dieses Verhalten für die Studenten so gut wie nie: 94 Prozent der Plagiatoren bleiben unentdeckt. Das zeigt eine neue Studie der Unis Bielefeld und Würzburg, über die ZEIT CAMPUS berichtet. Dafür wurden erstmals empirische Daten zum Schummeln unter mehreren Tausend Studenten und Dozenten erhoben.
In dieser Studie fragten die Wissenschaftler nicht nur nach Plagiaten, sondern auch nach anderen Verstößen gegen die Prüfungsordnung. Dabei zeigte sich, dass 37 Prozent aller befragten Studenten bei schriftlichen Prüfungen vom Sitznachbarn abschreiben. Besonders eifrig beim Betrügen sind Medizin-Studenten: Hier schreiben gar zwei Drittel ab. Das Fälschen und Erfinden von Messergebnissen betrifft etwa ein Drittel aller Naturwissenschaftler und Mediziner, heißt es von den Studienautoren.
Plagiatssoftware wird wenig benutzt
Ob und auf welche Art geschummelt wird, hängt wenig überraschend vor allem von der Art der Prüfung ab. Das Fach spielt im allgemeinen keine große Rolle. Wer gestresst ist, starken Konkurrenzdruck empfindet oder mit Prüfungsangst kämpft, schummelt besonders häufig. Die Hochschullehrer sind offenbar nicht sehr interessiert daran, Plagiate aufzudecken: Nur ein kleiner Teil derjenigen, die an ihrer Uni Zugang zu einer Plagiatssoftware haben, nutzen diese auch. Und nicht mal jeder vierte befragte Dozent gibt Sätze aus Hausarbeiten stichprobenartig bei Google ein. Bei Prüfungen achtet nur eine Minderheit darauf, unterschiedliche Prüfungsversionen zu verteilen, damit das Abschreiben erschwert wird.